Einen Monat nach dem G-8-Gipfel von Genua sitzen noch immer 16 Deutsche in italienischen Gefängnissen. Für zehn von ihnen wurde die Untersuchungshaft in der vergangenen Woche verlängert, sechs warteten bei Redaktionsschluss auf eine Entscheidung der Richter. Die Polizei wirft ihnen Landfriedensbruch und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor - ein Straftatbestand, mit dem sonst vor allem die Mafia bekämpft wird.

Die Beweislage ist dünn, offenbar kann niemandem der noch Inhaftierten eine Beteiligung an Krawallen und Plünderungen nachgewiesen werden. Alle wurden erst auf der Heimreise festgenommen, und die meisten Indizien müsste man lächerlich nennen, wäre die drohende Strafe nicht so ernst: Da gelten schwarze T-Shirts als Beweis für die Zugehörigkeit zum Schwarzen Block, Zeltgestänge und Campingbesteck werden als Metallknüppel und Stichwaffen gewertet. Und die Feuerschlucker-Utensilien, die im Gepäck von Mitgliedern eines österreichischen Straßentheaters gefunden wurden, wandeln sich zu Material für Molotow-Cocktails.

Polizei und Carabinieri, die mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten vorgingen, wollen der Justiz anscheinend um jeden Preis kriminelle Protestierer präsentieren. So könnten die 16 Inhaftierten zu willkommenen Sündenböcken werden. alf