Die Luft wird dünner für Amerikas Zentralbankchef Alan Greenspan. Sechsmal hat Greenspan innerhalb der vergangenen Monate die Zinsen gesenkt, um der Konjunktur in den USA neues Leben einzuhauchen. Eigentlich sollte es jetzt langsam aufwärts gehen. Spätestens Ende des Jahres, so Greenspans Prognose, sei ordentliches Wachstum zu erwarten.

Das mag so sein. Vorerst aber fürchtet eine wachsende Zahl von Experten, dass die USA in eine ausgemachte Rezession rutschen. Die schon geringe Wachstumsrate von 0,7 Prozent im zweiten Quartal werde auf einen Wert "nahe null" revidiert werden, erwartet das Investmenthaus Morgan Stanley Dean Witter

im laufenden dritten Quartal könne es dann mit einem Minus von 0,6 Prozent richtig nach unten gehen. Verantwortlich dafür: schlechte Zahlen des Einzelhandels, sinkende Lagerbestände und ein wachsendes Handelsbilanzdefizit.

Dass die Rezession im verarbeitenden Gewerbe der USA inzwischen auch den letzten Winkel der Wirtschaft erreicht hat, musste die Zentralbank schon in der vergangenen Woche zugeben. Die Wall Street erwartet jetzt weitere Zinssenkungen. Ob das der Konjunktur wieder auf die Beine hilft - und Alan Greenspans Reputation als fehlerloser Guru der US-Ökonomie rettet -, wird aber bezweifelt.