Es herrscht Krieg zwischen Israel und den Palästinensern, auch wenn es ein besonderer, ein Protokrieg ist, der im klassischen ius belli mit seiner Forderung nach Proportionalität und Einhegung nicht vorgesehen ist. Ein bizarres Paradox: Mit ihren äußerst begrenzten Mitteln haben die Palästinenser einen unbegrenzten Krieg entfacht, denn nichts anderes sind die inzwischen routinemäßigen Terrorbomben, die Unschuldige in Haifa oder Jerusalem zerfetzen. Die Bomben auf zwei Beinen vor Gericht stellen? Das ist logischerweise unmöglich. Die Drahtzieher in Ramallah oder Gaza? Das wäre der richtige, der rechtsstaatliche Weg. Aber dazu müssten die Israelis einen "echten" Krieg führen - mit Einmarsch, Zerstörung und viel Blutvergießen, um der Leute habhaft zu werden. Wer will sie guten Gewissens verdammen, wenn sie die Angreifer umbringen, bevor sie die nächste Bombe losschicken? Es gibt keinen Staatsanwalt in Gaza, den die Israelis um Amtshilfe bitten könnten.

Dennoch ist nicht immer klug, was verständlich sein mag. Als Antwort auf den Jerusalemer Anschlag haben die Israelis das Orient-Haus im Ostteil der Stadt besetzt, den Quasi-Repräsentationssitz einer künftigen Regierung Palästinas.

Das ist ein symbolischer Akt, der zugleich den Machtanspruch Israels und die Erniedrigung der Palästinenser dokumentieren soll. Er wird keinen Terrorbomber abschrecken, aber umso mehr den Stolz eines jeden Palästinensers verletzen. Den Terror zu bekämpfen ist Israels gutes Recht, die Hoffnung der Palästinenser auf einen Staat mit einer Geste der Verachtung, wie sie die Okkupation des Orient-Hauses darstellt, zu attackieren, ist ebenso vermessen wie töricht. Denn es geht in diesem Kampf nicht bloß um Land, sondern um Symbole, nicht um Unterwerfung, sondern um Verständigung. Wie will Israel jene isolieren, die Krieg gegen seine Zivilbevölkerung führen, wenn es denen Verachtung entgegenschleudert, die womöglich noch an Verständigung glauben?

jj