Berufsverbände sind nützlich, stehen aber nicht gerade im Ruf, nach außen hin besonders peppig zu wirken. Selbst vielen Mitgliedern gehen die innerbetrieblichen Querelen mit der Folge von Abspaltungen, Neugründungen und geplatzten Fusionen auf die Nerven, wie beispielsweise der Bundesverband Deutscher Galerien (BVDG) und der Bundesverband Deutscher Kunstverleger im vergangenen Jahr vorführten.

Imagestärkung tut Not, schließlich geht es um verbesserte Rahmenbedingungen der Berufsstände, und die wollen im politischen, juristischen und wirtschaftlichen Raum überzeugend vorgetragen werden. Nun macht der BVDG einen Schritt nach vorn. "Warum sollen wir vor den Werbestrategien jedes beliebigen Chemiekonzerns zurückschrecken", sagt Geschäftsführer Bernd Fesel und hat 15 000 schwarzweiße Tragetaschen mit der hoffnungsvollen Botschaft "Kunst ist Zukunft" drucken lassen.

Das ideell aufgemöbelte Transportmittel ist gekoppelt mit einer Anzeigenkampagne und einem neuen Internet-Auftritt und soll das Bewusstsein dafür schärfen, dass Kunst kein Luxusgut ist. 40 Prozent der Kunstkäufe liegen laut Statistik unter 6000 Mark.

Zu dem neuen Online-Label www.galerienindeutschland.net sind nicht nur die rund 300 Verbandsmitglieder zum Internet-Auftritt eingeladen. "Bisher sind überhaupt nur 30 Prozent der deutschen Galerien im Internet vertreten. Das ist zu wenig", sagt Fesel. Deshalb hat der BVDG im Vorfeld des Art Forum Berlin (3. bis 7. Oktober) die Fachtagung Internet angesetzt.

Neue Mitglieder sind stets willkommen - über sie finanziert sich der Verband, und sie stärken seinen Rückhalt gegenüber Politik und Gesetzgebung. Unter etwa 3300 "Galerien" in Deutschland (darunter Postershops und Rahmenbauer) macht Fesel ein Potenzial von 600 zeitgenössischen verbandswürdigen Kandidaten aus.

In Berlin sollen die auch mit Erfolgen konfrontiert werden. Bei Staatsminister Julian Nida-Rümelin hat der BVDG schon mal ein offenes Ohr für das Dauerbrennerproblem der Mehrwertbesteuerung und Einfuhrzollbestimmung für Fotografie gefunden. Bis zum Herbst erwartet Nida-Rümelin nun von dem Verband einen entsprechenden Vorschlag für eine Gesetzesänderung zugunsten der in Zukunft auch fiskalisch als Kunst anzuerkennenden Fotografie.

60 000 bis 70 000 Mark sind das durchschnittliche Jahreseinkommen einer deutschen Galerie. Um auf diese mageren acht Prozent Erlös zu kommen, muss ein Umsatz von immerhin rund 750 000 Mark getätigt werden. Der ließe sich optimieren, wenn die Galeristen wie im Ausland Teile ihrer Lagerbestände abschreiben und damit mehr Gelder für Ausstellungen und Kataloge lockermachen könnten.