Warum denkt man an Jesus, wenn man das rote Stoppschild mitten in der israelischen Wüste sieht? Eine große weiße Hand warnt vor der Hauptstraße und scheint noch größeres Übel abwehren zu wollen als den Zusammenprall zweier Autos. "Die Hand auf Genesis Land wirkt fast blasphemisch auf mich", hat ein Besucher ins Gästebuch des Altonaer Museums (Hamburg) geschrieben. Florian Jaenickes Fotografien bebildern keinen Pilgerurlaub an die Geburtsstätten der christlichen Kultur - auch wenn es der Titel der Ausstellung Das Heilige Land - Orte Jesu 2000 Jahre danach nahe legt. Die Aufnahmen fangen die Wirklichkeit ein, nicht den Mythos (bis 21. Oktober). Sie konzentrieren sich auf das Licht in Israel, ein weißes Leuchten, Variationen in Pastell, nach denen man hierzulande vergebens sucht. Unter dem milchigblauen Himmel führt Jaenicke die biblische Geschichte mit der heutigen Zeichenwelt zusammen.

Neben dem blasphemischen Stoppschild gibt es metallene Pfeile, die auf Petrus' Geburtsort zeigen, und Bauschilder, die sich am Berg der Versuchung gegen amerikanische Touristen mit Videokamera behaupten. Das schönste Foto, Über das Wasser geh zeigt eine Arbeitsplattform auf dem See Genezareth: eine Variation des Kreuzsymbols, mit der Kamera gemalt. Nadja Geer