die zeit: Herr Renner, Sie haben einmal gesagt, früher sei die Musikbranche eine Disco gewesen, in der auch schmutzige Geschäfte stattfinden konnten, heute habe sie mehr von einem Café mit Neonbeleuchtung. Das klingt ernüchternd.

Tim Renner: Das Bild der Discothek war als Beispiel gedacht für einen Ort, an dem man extrem viel Spaß hat. In dem Moment, in dem du das Licht anschaltest, vergisst du die Magie, und es geht nur noch ums Geschäft. Das Problem, das die Musikindustrie, die ja gerade sehr unter Druck steht, in der Tat zu großen Teilen hat: sie hat sich über die Jahre sehr entfernt von einer Musikbezogenheit hin zu einer abstrakten Produktbezogenheit. Das gilt sicher nicht für den Kollegen von Trikont, aber eben für die Musikgroßbetriebe.

zeit: Herr Bergmann, was wäre Ihr Bild für die Branche?

Achim Bergmann: Tim Renner hört sich wehmütig an, wie jemand, der gerne in der Nähe der Fülle des Lebens geblieben wäre. Die Realität sieht so aus, dass der Raum, in dem er arbeitet, eher ein Vorzimmer der Börsianer geworden ist.

Das ist das Grundproblem, mit dem alles anfängt: Wie gehe ich mit Kultur um?

Musik spielt in der Musikindustrie, die alles dominiert, nicht mehr die Rolle, die sie spielen müsste. Sie wurde einem Entwertungsprozess unterworfen, der das, was daran einmal attraktiv war, beschädigt hat.

zeit: Hat die fonografische Industrie sich selbst entzaubert, indem sie sich von ihren Wurzeln im Rotlichtmilieu lossagte und seriös wurde?