Dabei ist es ja nicht so, als würde sich unser aller Gerhard nur am Mecklenburg-Vorpommerschen Ostseestrand vergnügen: "Schröder verteidigt die Nato-Mission", meldet die "Frankfurter Rundschau", "Mazedonien: Schröder wirbt um die Union", heißt es beim "Tagesspiegel". Nachdem das Kabinett den Einsatz deutscher Truppen gebilligt hat, muss jetzt nur noch die "Letzte Hürde Bundestag" ("tageszeitung") genommen werden. Und die "Süddeutsche Zeitung" weiß uns zu beruhigen: "Mehrheit für Bundeswehr- Einsatz gesichert". Wo die CDU sich immer noch ziert, ist jetzt die FDP-Fraktion in die Bresche gesprungen und hat dem Staatsmann Schröder die Peinlichkeit erspart, seinen Nato-Kollegen einen deutschen Rückzieher erklären zu müssen.

Dass der Kanzler die Mazedonien-Mission nicht für einen Spaziergang auf dem schönen Balkan hält, hat er nun auch offiziell zugegeben: "Schröder räumt erstmals Risiken ein", lesen wir in der "Welt" und sind überrascht über so viel knallharten Realismus. Den beweist auch die "Frankfurter Allgemeine" mit einem Bericht über Zustände am Rande Europas: "Neue Vorwürfe gegen Lukaschenka. Todesschwadron in Weißrußland?", fragt Moskau-Korrespondent Markus Wehner in seinem Aufmacher und lässt uns über ein Land fast vor unserer Haustür erschaudern, in dem offenbar oppositionelle Politiker und Journalisten per Killerkommando zum Schweigen gebracht werden und einer der Drahtzieher vom Präsidenten persönlich zum Generalstaatsanwalt ernannt wird.

Die Sichtfenster auf das Innere unserer intimsten Datenbestände werden immer größer, und immer gibt es vermeintlich gute Gründe, dem Großen Bruder den Einblick zu ermöglichen. Nachdem dank LKW-Maut künftig die Position der automobilen Transportfahrzeuge per GPS jederzeit erfassbar werden soll, steht uns nun möglicherweise noch ein weiterer Schritt in eine gläserne Datenzukunft bevor: "Regierung plant elektronischen Arzneimittel-Pass", berichtet die "Welt". Die Chipkarte, auf der ein "lückenloser Überblick über die Medikamententherapie eines Patienten" gegeben wird, solle jedoch in der Verfügungsgewalt des Patienten verbleiben. Wie beruhigend.

Kommt die Rezession?

"Die Konfusion ist vollkommen", schreibt Oliver Schumacher in der "Süddeutschen Zeitung": "Selten waren die Berichte über Deutschlands Konjunktur so verwirrend wie in diesen Tagen." In der Tat wechseln die Trendmeldungen zurzeit nahezu täglich die Richtung und verwirren uns Bürger. "Weil das Wahlkampfgezänk auch nicht weiterhilft, macht sich lähmende Skepsis breit. Das Ergebnis: Die Stimmung ist deutlich schlechter als die Lage."

Man möge sich nicht zu lange mit Zahlen aufhalten, die nur einen Rückblick auf vergangene Monate erlauben, empfiehlt angesichts dieser Lage Stefan von Borstel in der "Welt": "Wichtiger ist der Blick nach vorn, aufschlussreicher sind Frühindikatoren, die auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung weisen, wie etwas der Ifo-Geschäftsklima-Index. Und der ist im Juli erstmals seit einem halben Jahr wieder gestiegen."

"Ob das Glas der deutschen und der europäischen Wirtschaft nun halb leer oder halb voll ist, darüber streiten die Ökonomen", erklärt Patrick Welter im "Handelsblatt", und auch er meint: "Viel spricht dafür, dass es halb voll ist, dass dem Euro-Raum und auch Deutschland keine Rezession drohen." Der Vergleich zeige zwar Parallelen mit den Rezessionsjahren 1992/93, doch das Gesamtniveau sei derzeit deutlich besser. "Erste Signale deuten zaghaft auf eine gesamtwirtschaftliche Erholung ab dem vierten Quartal hin." Auch die Signale aus dem Ausland stimmen: "Trotz aller strukturellen Anpassungserfordernisse in den USA wird die monetäre Expansion des Alan Greenspan ihre Wirkung zeigen. Zinssenkungen greifen mit einer Verzögerung von bis zu vier Quartalen. Die von der Fed seit Januar in Gang gesetzte monetäre Flut rollt damit erst an, sie wird auch den hiesigen Export wieder beleben."