Keine Frage, die Boulevardpresse hat frisches Blaues Blut gewittert. Kaum aber auch eine Tageszeitung, die nicht auf die samstägige Prinzen-Hochzeit in Norwegen eingeht. Ziemlich direkt trifft dieser Trend zum Aristokratischen auch Rudolf Scharping. Der Bundesverteidigungsminister ziert samt himmelblaublütiger Lebensgefährtin derzeit nicht nur die Fotostrecken einschlägiger Magazine, sondern bringt ob seines kürzlichen Mallorca-Urlaubes die CDU in Rage. So sehr, dass die "Welt" heute im Aufmacher texten muss: "Union fordert Rücktritt von Scharping".

Ansonsten folgen die Schlagzeilen von heute den Ereignissen der vergangenen Woche. Stichwort Mazedonien: "Union kämpft um ein Ja zum Einsatz", schreibt der "Tagesspiegel", "Merz und Merkel droht Niederlage in der Fraktion", weiß die "Süddeutsche Zeitung", "Nato und mazedonische Regierung streiten über die Zahl der Waffen der UCK", berichtet die "Frankfurter Allgemeine". Den Konflikt zwischen Israel und Palästina nimmt nur die "Frankfurter Rundschau" auf die Eins; dort schreibt man in der einzigen Headline über der Seitenfalz: "Brutalität in Nahost nimmt zu". Für die Diskussion über das neue Grundsatzprogramm der Grünen hat sich die "tageszeitung" entschieden und textet deshalb etwas erratisch im Aufmacher: "Grüne wollen Tiger reiten". Wirklich gute Nachrichten kommen nur vom Handelsblatt: "Erste Hoffnungszeichen für den Halbleitermarkt".

Merkel, Mazedonien und Merz

Ein knappes Jahr vor der nächsten Bundestagswahl kommt die CDU endlich auch programmatisch in die Schlagzeilen. Da verlangt Chefin Angela Merkel als Gegenleistung für die Zustimmung der Union zum Mazedonieneinsatz unbeirrt nach einer besseren Ausstattung für die Bundeswehr. Das Ansinnen hinterlässt jedoch bei vielen Kommentatoren den Eindruck, die Haltung der Union sei innenpolitisch motiviert. "Wenn Schröder ein paar Millionen drauflegt, stimmen wir zu, lautet die Botschaft der letzten Tage", schreibt Ralf Neukirch in einem Kommentar für das "Handelsblatt". "Daraus spricht weder die Sorge um die Allianz noch um das Wohlergehen der Soldaten. Das ist das Angebot des Kuhhandels, der mit außenpolitischer Verantwortung nichts zu tun hat. Den meisten Abgeordneten geht es ohnehin darum, Rot-Grün endlich mal vorzuführen". Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt auch Bernd Ulrich im Titelkommentar des "Tagesspiegel": "Bei der CDU muss vertuscht werden, dass die Partei verzweifelt irgendetwas sucht, um Opposition sein zu können, etwas, was an dieser Teflon-Regierung haften bleibt."

Zweiter Versuch von Angela Merkel: Eine angeblich "Neue Soziale Marktwirtschaft" soll Kompetenz demonstrieren und Prozentpunkte gut machen. Doch angezweifelt wird das Konzept ausgerechnet in den eigenen Reihen. Äußerte Fraktionschef Friedrich Merz nur Bedenken, nennt Bayerns CSU-Finanzminister Falthauser das Steuermodell in der "Süddeutschen Zeitung" gar einen "Gag". Dass er damit vermutlich so falsch nicht liegt, unterstreicht Susanne Höll in der "Süddeutschen Zeitung". Die Liste von Vorhaben sei zwar lang - ein Spitzensteuersatz von 35 Prozent, 1200 Mark Familiengeld, Abschaffung der Ökosteuer und andere Änderungen, "nur hat bislang kein Christdemokrat eine schlüssige Antwort auf die Frage gegeben, wie das alles finanziert werden soll, insbesondere dann, wenn man auch noch Haushaltsdisziplin wahren will". Und sogar die konservative "Welt" lässt in dieser Frage SPD-Generalsekretär Franz Müntefering einen Gastkommentar geben. Sein Votum überrascht nicht, fasst aber den Tenor der Kommentare zu Merkels Marktwirtschaft bündig zusammen: "Statt eines kraftvollen Neuanfangs hat die CDU-Vorsitzende ihrer Partei nun auch programmatisch Konfusion beschert."

Fischers Frieden

Ist die Nahost-Mission von Bundesaußenminister Fischer nur Show oder hat sie die Chance eines Erfolges? "Fischers Nahost-Diplomatie ist ohne jede Einschränkung zu unterstützen", meint etwa Oskar Lafontaine in einem Gastbeitrag für die "Bild" dazu. "Auch, wenn dabei am Ende nichts oder wenig dabei herauskommt." Und sogar aus der rechten Ecke kommt Beifall. Wie Fischer es hinbekommen hat, dass Israels Außenminister Shimon Peres und Palästinenser-Präsident Jassir Arafat ihre Verhandlungen in seinem Büro fortsetzen wollen, das sei "eine Leistung in Sachen internationaler Moderration und Vermittlungskunst. Nicht schlecht. Herr Specht!", schreibt Peter Gauweiler, ebenfalls in der "Bild".