Auch heute ist der Nato-Einsatz in Mazedonien das dominierende Thema. Jedes Blatt beleuchtet einen anderen Aspekt, so dass sich die Schlagzeilen wie von selbst zu einem Nachrichtenüberblick fügen. Im Hinblick auf die morgige Abstimmung im Bundestag titelt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Die CSU dagegen, die CDU wartet ab / Letzte Manöver vor der Mazedonien-Abstimmung". Die "Welt" und der "Tagesspiegel" blicken auf die traurigen Ereignisse vor Ort: "In Mazedonien stirbt der erste Nato-Soldat" (Welt). Ein wenig Hoffnung lässt allein die "Frankfurter Rundschau" aufkommen: "Albaner geben erste Waffen ab". Das zweite große Thema ist ebenso wie gestern die Lage in Nahost. Nahezu gleichlautend vermelden alle Zeitungen, dass die israelischen Streitkräfte den PLO-Führer Abu Ali Mustafa liquidiert haben. Auch Wassermann Scharping planscht noch mal in medialer Aufmerksamkeit. "Kopfschütteln über Scharping", schreibt die "Frankfurter Allgemeine" kopfschüttelnd über einen Einspalter auf der Eins.

Mazedonien

Am Mittwoch wird der Bundestag darüber abstimmen, ob sich deutsche Soldaten an dem Nato-Einsatz in Mazedonien beteiligen oder nicht. SPD, Grüne und FDP sind dafür, CDU/CSU zögern noch. Bemerkenswert ist, wie die "Bild" die Unionisten heute dafür geißelt. Auf der zweiten Seite veröffentlicht sie ein Interview mit Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, der klar Position bezieht. "Wenn es wie im Fall Mazedonien eine Bitte und einen Auftrag der Nato gibt, sollten die Deutschen voran gehen und nicht hinterher laufen! Natürlich müssen die Bedingungen für den Einsatz geklärt und die höchstmögliche Sicherheit für unsere Soldaten gewährleistet werden. Der Vorgang eignet sich nicht für einen ganz generellen parteipolitischen Streit über die Modernisierung der Bundeswehr. Es geht darum, gemeinsam außenpolitische Verantwortung zu übernehmen." Rolf Kleine, der Kommentator der "Bild", hat dem im Grundsatz ebenso wenig hinzuzufügen wie Johann Michael Möller von der "Welt". "Die Union braucht eine klare Position - und die kann nur noch Zustimmung heißen", schreibt Möller bündig.

Ebenso unstrittig ist unter den Kommentatoren, dass der Einsatz erhebliche Risiken birgt. Die Nato-Truppe ist klein, die Lage vor Ort brandgefährlich, wie der Tod des britischen Soldaten beweist, und der Friedenswillen der UCK durchaus zweifelhaft. Ob es der Nato gelingt, die UCK plangemäß in 30 Tagen zu entwaffnen, ist höchst ungewiss. Stefan Kornelius rechnet in der "Süddeutschen Zeitung" schon einmal die politischen Kosten eines Misserfolgs vor: "Billig wäre die Sache, wenn lediglich das Mandat verlängert oder erweitert werden müsste. Teuer käme es zu stehen, wenn die Allianz unter Schimpf und Schande aus Mazedonien getrieben würde".

Nahost

Jubelten nicht vor Tagen noch alle über Joschka Fischer, dem es gelang, ein Gespräch zwischen Arafat und Peres in Berlin auf den Weg zu bringen? Heute steht schon wieder die Frage im Raum, was ein solches Gespräch überhaupt noch bringen kann. Denn die Lage im Nahen Osten eskaliert von Tag zu Tag. Eine Ursache dafür ist die Liquidierungspolitik Scharons. Sie richtet sich neuerdings nicht mehr allein gegen Terroristen, wie ein Kommentator der "Süddeutschen Zeitung" mit dem Kürzel "fl" ausführt. "Der gestern ermordete Abu Ali Mustafa und die vor ein paar Wochen in Nablus getöteten Hamas-Mitglieder Dschamala Mansur und Schamals Salim waren Politiker und keine bewaffneten Kämpfer. Keiner von ihnen hat jemals einen Schuss auf Israel abgegeben. Alle traten für die von Israel auf der Madrider Friedenskonferenz 1991 indirekt akzeptierte Zwei-Staaten-Lösung ein. Alle drei gehörten nicht zu den Scharfmachern ihrer Organisationen. Und alle genossen sie in der Bevölkerung große Popularität." Das Ziel Scharons sei es folglich, den Palästinensern ihre Führer zu nehmen, um ihre Widerstandskraft zu brechen. Das dass nicht gelingen wird, ist nach den Erfahrungen der letzten Monate nicht schwer vorherzusehen. "Was nun folgt, weiß jeder - allen voran die israelische Regierung", schreibt der Kommentator des "Tagesspiegel". "Auf palästinensischer Seite wird diese Tat eine neue Welle von Terror und Gewalt auslösen, auf israelischer Seite dies dann als Rechtfertigung dienen, um weitere Militärschläge anzuordnen." Weder Arafat noch Scharon scheinen derzeit an etwas anderem außer Krieg interessiert zu sein. Das ist die traurige Wahrheit, mit denen uns die Kommentatoren allenthalben entlassen. Auch ein Fischer scheint daran kaum etwas ändern zu können.

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