Meurer: In Berlin entscheidet am Mittag das Kabinett über den Einsatz von etwa 500 Bundeswehrsoldaten in Mazedonien. Nächsten Mittwoch kommt dann der Bundestag zu einer Sondersitzung zusammen und schon Ende nächster Woche sollen dann die ersten deutschen Soldaten in Marsch geschickt werden. Hinter den Kulissen wird in Berlin um die notwendige Mehrheit im Bundestag gerungen. Rund 30 SPD-Abgeordnete wollen nein sagen, angeblich 4 bis 8 Bündnisgrüne ebenfalls. Das sagt jedenfalls Hans-Christian Ströbele. Am Telefon begrüße ich nun Angelika Beer, verteidigungspolitische Sprecherin der Bündnisgrünen im Bundestag. Guten Morgen Frau Beer!

Beer: Guten Morgen Herr Meurer.

Meurer: Bekommt die Koalition aus eigenen Kräften eine Mehrheit hin?

Beer: Die Koalition ist meines Erachtens vor allen Dingen darauf angewiesen - und das gilt auch für die Bundeswehrsoldaten -, das Vertrauen des gesamten Parlamentes für diesen durchaus schwierigen Einsatz zu bekommen. Deswegen glaube ich, dass im Moment das Stimmenzählen der sogenannten Abweichler, was ja keine Abweichler sind, sondern Bedenkenkrieger, die diese Diskussion noch mit uns führen werden, so ausgeht, dass wir letztlich auf einer breiten Grundlage und vor allen Dingen angesichts der Analyse der aktuellen Situation vor Ort in Mazedonien entscheiden.

Meurer: Bemühen Sie sich noch um die Abweichler in den eigenen Reihen?

Beer: Es gibt Diskussionen über die Entwicklung natürlich auch mit allen, die Zweifel haben an diesem Einsatz. Wir diskutieren die Risiken dieses Einsatzes, wir diskutieren die Chancen und unterm Strich muss man sagen, dass die einseitige Diskussion über die Frage Militäreinsatz ja oder nein, Bundeswehreinsatz ja oder nein davon ablenkt, dass wir ein umfassendes präventives politisches Konzept haben erarbeiten können mit internationaler Unterstützung und allen Konfliktparteien, das jetzt mit einer militärischen Variante abgestützt werden soll. Auf dieser Grundlage und unter der Voraussetzung, dass die UCK aufhört mit terroristischen Anschlägen, glaube ich werden wir eine breite Mehrheit bekommen, denn diese Friedensstabilisierung und die Abgabe der Waffen durch die UCK ist die Alternative zu einem blutigen Bürgerkrieg, der sonst ausbrechen würde.

Meurer: Wie viele der Skeptiker in Ihren Reihen können Sie mit dieser Argumentation denn noch überzeugen bis nächste Woche?