Eggert: Guten Morgen!

Capellan: Es gibt zum erstenmal zwei konkurrierende Kandidaten für den Parteivorsitz. Ist das ein Fortschritt?

Eggert: Das ist Normalität. Zur Wahl gehört auch Auswahl und man kann nur sehr froh darüber sein.

Capellan: Aber in Sachsen war das ja lange Zeit keine Normalität?

Eggert: Ja, es war lange Zeit keine Normalität. Nun muss man aber auch sagen, in ganz Ost-Deutschland war nach dem, was in 40 Jahren in der alten Bundesrepublik gewachsen war, in den ersten Jahren kaum Normalität. Kurt Biedenkopf, der sehr viele Verdienste hat und ein guter Ministerpräsident ist, hat an der Stelle natürlich auch vieles überdeckt.

Capellan: Es lag also auch an der Autorität des Ministerpräsidenten, dass es dort keine Konkurrenz gab?

Eggert: Ja. Man war immer sehr genau darauf bedacht, die Autorität des Ministerpräsidenten - und da muss ich sagen zu recht - nicht zu beschädigen. Dadurch ist natürlich manchmal auch eine Ruhe in der Partei eingekehrt, die ein wenig unheimlich war.