Lange: Wie halten es die Bundestagsfraktionen mit der Beteiligung der Bundeswehr an der NATO-Mission in Mazedonien? Der Stand von heute Früh: Die SPD bis auf eine Gruppe von vielleicht 30 Abgeordneten dafür, die Grünen ebenfalls überwiegend dafür, die FDP höchstwahrscheinlich dafür, die PDS dagegen und die größte Oppositionsfraktion, die CDU/CSU, die war sich bis gestern Abend noch nicht einig. Die CSU ist dagegen, Volker Rühe, der stellvertretende CDU-Vorsitzende des gleichen, Wolfgang Schäuble ist für Zustimmung. Die beiden haben aber gestern gemeinsam im Kanzleramt drei Forderungen vorgetragen: mehr Geld für die Schutzausrüstung der Soldaten, für die Materialerhaltung und für den Mienenschutz, für den Panzer Marder. Also keine unüberwindbaren Hürden, wie es aus der Union hieß. Am Telefon ist nun Karl Lamers, der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag. Guten Morgen Herr Lamers!

Lamers: Guten Morgen Herr Lange.

Lange: Herr Lamers, gibt es schon eine Reaktion aus der Regierung?

Lamers: So weit mir bekannt ist nein. Sie haben aber zurecht gesagt, dass wir gesagt haben, dass ist nicht unerfüllbar und ich glaube, das war auch der Eindruck der Regierung. Sie sagt natürlich, das ist alles schon geschehen. Unsere Forderungen beziehen sich ja insgesamt auf das Stichwort "Sicherheit für die Soldaten". Insofern wird auch niemand mehr sagen können, das sei sachfremd. Das war es nun vorher nicht und wird es auch ganz bestimmt nicht. Wenn die Regierung guten Willen hat, kann sie die Zustimmung der überwältigenden Mehrheit der Unionsfraktion bekommen.

Lange: Das ist ja doch nun sehr weit entfernt von dem ursprünglichen Junktim zwischen Bundeswehrfinanzierung und Mazedonien-Einsatz. Ist das noch mehr als eine Aktion zur Wahrung des Gesichts?

Lamers: Ich weiß, dass dies so gesehen wird, aber bitte glauben Sie mir, dass ist nicht der Fall. Wir sind wirklich besorgt um die Finanzierung der Bundeswehr und ich glaube, dass wir einen Verdienst auf alle Fälle haben. Die allgemeine Öffentlichkeit ist jetzt von der Unabwendbarkeit einer solchen finanziellen Kehrtwende überzeugt. Auch wenn sich das nicht in Mark und Pfennig so ausdrücken läßt glaube ich ist das ein beachtlicher Erfolg, den wir erzielt haben. Wir wissen ja auch, wir können die Regierung nicht erpressen. Das wäre auch ganz falsch und wir müssen dafür sorgen, dass die Regierung nicht den Eindruck erweckt, sie hätte klein beigegeben. Das ist dann leicht auch immer eine Prestigefrage. Deswegen haben wir jetzt eine Forderung gestellt, von der man zurecht sagen muss, sie ist erfüllbar. Es kommt auf guten Willen an und ich bitte Sie, man muss doch auch über den Tag hinausblicken. Selbst wenn die Regierung jetzt eine Mehrheit bekommt, unbeschadet der Abstimmung in der Unionsfraktion und ihrer Abgeordneten, es wird mehr kommen. Das sehe ich ja auch. Das wird immer schwieriger werden, auch in den eigenen Reihen der Koalition immer schwieriger werden. Dann braucht man eine breite Zustimmung wegen der Handlungsfähigkeit unseres Landes. Es wird ja draußen noch alles außerordentlich sorgfältig und mit Sorge betrachtet. Und man braucht das auch wegen der Soldaten!

Lange: Aber Sie überlassen es doch jetzt, Herr Lamers, im Grunde der Regierung, ob die Union Geschlossenheit demonstrieren wird oder ob sie als mehr oder weniger gespaltene politische Kraft gezeigt wird. Ist das nicht ziemlich riskant?