Merz: Guten Morgen Herr Gerner.

Gerner: Ja, Herr Merz, wer ein paar Wochen im Urlaub war und jetzt zurückkommt, der sieht Ihre Partei mit einer 180-Grad-Wende, salopp gesagt ein Purzelbaum. Wie würden Sie ihm das erklären?

Merz: Herr Gerner, das ist keine 180-Grad-Wende, sondern das ist eine ganz konsequente Fortsetzung dessen, was wir seit spätestens Juli gesagt haben, dass wir nämlich erwarten, dass die Bundesregierung die finanzielle Ausstattung für die Bundeswehr verbessert, bevor es einen weiteren Auslandseinsatz deutscher Bundeswehrsoldaten gibt. Das ist auch konsequent in unserer Erwartung, die wir immer an die Bundesregierung und an die NATO gerichtet haben, ehrlich zu sagen, dass dieses NATO-Mandat auch scheitern kann.

Gerner: Sie hatten sich ja mal eine halbe Milliarde Mark mehr für die Bundeswehr auf die Fahnen geschrieben, Herr Merz. 28 Millionen haben Sie jetzt mehr herausgeholt. Jedes Kind kann sich an fünf Fingern ausrechnen, dass das Ziel dort verfehlt worden ist?

Merz: Herr Gerner, das stimmt nicht, auch wenn das heute noch so häufig geschrieben werden wird. Die Bundesregierung hatte ursprünglich vor, für diesen Einsatz reine Stationierungskosten für die Soldaten in Höhe von 15 Millionen Mark bereitzustellen. Dann hat es eine erste Unterrichtung des Bundeskanzlers an die Fraktionsvorsitzenden gegeben und wir haben unsere Politik weiter fortgesetzt, haben gesagt, es muss mehr gemacht werden. Dann ist die Bundesregierung bereit gewesen, 120 Millionen Mark zusätzlich bereitzustellen, und dann haben wir gesagt - und der Verteidigungsminister war einverstanden mit dieser Summe -, auch das reicht nicht, weil es aus der militärischen Führung der Hardthöhe einen höheren Betrag gegeben hat, den auch wir für richtig und angemessen empfunden haben. Jetzt sind es 148. Das ist der ursprüngliche Betrag, den Scharping gegenüber dem Finanzminister nicht durchsetzen konnte. Das ist jetzt von der Bundesregierung zugesagt worden. Dann haben wir dafür gesorgt - und das ist eigentlich noch viel wichtiger -, dass die Nachrüstung der Marder-Panzer, die dort eingesetzt werden, mit einem Minenschutz nicht erst im Jahr 2003 begonnen wird, so wie die Bundesregierung dies aus Haushaltsgründen vor hatte, sondern dass damit sofort begonnen wird.

Gerner: Aber die kommen in Mazedonien nicht mehr zum Einsatz, was auch Volker Rühe gestern gesagt hat?

Merz: Sehen Sie, und genau an der Stelle haben wir auch konsequent unsere Politik zu Ende geführt. Wir haben gesagt, wir können nicht immer nur die reinen Einsatzkosten für eine solche Mission zur Verfügung stellen, sondern die Bundeswehr muss insgesamt besser ausgerüstet, besser vorbereitet werden auf Auslandseinsätze, die sie zur Zeit macht und die natürlich auch nach Mazedonien nicht aufhören. Wir alle hoffen, dass es mit 30 Tagen dann auch wirklich erfolgreich abgeschlossen werden kann, aber es geht ja weiter: Kosovo, Bosnien und so weiter.