Sie sind so klein, dass kein Auge sie sieht. Sie sind so leicht, dass die Luft sie trägt. Sie sind so fein, dass sie fast alles durchdringen. Zu Millionen schweben sie in jedem Liter Luft, den wir einatmen: winzige Staubpartikel, so groß wie Viren oder Bakterien. Und ähnlich wie die klassischen Krankheitskeime können auch eingeatmete Schwebstäube krank machen, ja sogar töten. Noch gibt es keine verlässlichen Daten, wie viele Menschen in Deutschland unter den feinen Partikeln leiden, doch sie dürften Hunderttausende erkranken lassen und Zehntausende frühzeitig ins Grab bringen.

Derzeit wird in Deutschland ein flächendeckendes Messnetz für Schwebstäube installiert. Bald sollen Vorschriften der EU dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit vor den staubigen Killern in der Atemluft gewarnt wird (siehe das Interview mit EU-Umweltkommissarin Margot Wallström Seite 24). Vielleicht weicht dann die Lethargie, die sich in Sachen Luftverschmutzung inzwischen breit gemacht hat. Wenn jetzt an heißen Sommertagen in den Rundfunknachrichten wieder Ozonwarnungen auftauchen, dann kümmert das fast niemanden mehr. Vor wenigen Jahren noch provozierten solche Warnhinweise wütende Forderungen nach drastischen Tempolimits und weiteren umweltpolitischen Maßnahmen.

Der Ruf nach sauberer Luft war berechtigt, doch die Untersuchungen von Umweltmedizinern zeigen mit wachsender Deutlichkeit, dass Gase wie Ozon, Stickoxide oder Schwefeldioxid - Verursacher des sauren Regens - nicht mehr die Hauptschuldigen sind, die den Smog so gefährlich machen. Sie gelten lediglich als risikoverschärfende Mitläufer. Weil sie sich allerdings relativ einfach messen lassen, stehen ihre Namen stellvertretend für die Gefahr. Bisher noch.

Wesentlich schwieriger zu messen sind die wohl gefährlichsten Bestandteile im Smog: Feinstäube und ultrafeine Partikel. Sie wirken nach einem ebenso einfachen wie teuflischen Prinzip: Je kleiner die schwebenden Teilchen in der Atemluft sind, desto tiefer dringen sie in die Lungen vor, sogar bis in die Blutbahn, und sorgen dabei auf noch nicht ganz durchschaute Weise für Unheil.

Feinstäube entstehen durch unvollständige Verbrennung - in Haus- und Ofenheizungen, beim Rauchen und Grillen, in der Industrie und vor allem im Verkehr, insbesondere in Dieselmotoren. Aber auch der Abrieb von Reifen, Bremsen und Straßenbelägen produziert Stäube, die sich über Hunderte Kilometer ausbreiten können. Die winzigen Teilchen halten sich tagelang in der Luft, kriechen durch alle Tür- und Fensterritzen und sind deshalb in Innenräumen fast so häufig wie in der Außenluft. Manche von ihnen, etwa Ruß, sind krebserregend. Vor allem bei Kindern, alten und durch Krankheit geschwächten Menschen verursachen Schwebstäube Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Wie ernst Fachleute die Gefährdung nehmen, zeigt eine von der Weltgesundheitsorganisation WHO initiierte Studie unter Führung des Schweizer Präventivmediziners Nino Künzli. Nach den Berechnungen seines 13-köpfigen internationalen Teams fordert die Luftverschmutzung in den drei Nachbarländern Frankreich, Schweiz und Österreich jährlich rund 40 000 Todesfälle, verursacht mehr als 290 000 Episoden kindlicher Bronchitis und über 500 000 Asthmaanfälle. Rund die Hälfte der Todesfälle wird Emissionen aus dem motorisierten Verkehr zugeschrieben. In Deutschland dürften die Schäden ähnlich hoch sein: Die Einwohnerzahl entspricht grob geschätzt der Summe aller Franzosen, Schweizer und Österreicher, die Umweltbelastung in den vier Ländern ist vergleichbar.

Die Mär vom luftreinigenden Auto