Wie kurbelt man Wettbewerb und Leistungsbereitschaft im deutschen Hochschulsystem an? Ganz einfach: Indem man sie verbietet. Dies scheint - überspitzt formuliert - die politische Linie von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn zu sein. Sie will Studiengebühren jetzt per Gesetz untersagen, jedenfalls für ein "Erststudium mit normaler Dauer". Ein solches Gesetz verhindert nicht nur die Einführung einer vernünftigen, sozial verträglichen finanziellen Beteiligung der Studenten an ihrem Studium, sondern sanktioniert zugleich die in einigen Bundesländern schon eingeführten Strafgebühren für Langzeitstudenten. Mit anderen Worten: Statt den Studenten via Eigenbetrag einen gewissen Einfluss auf die Qualität des Lehrangebots zu sichern (und die Hochschulen dadurch zum Wettbewerb um ihre Klientel zu zwingen), werden Studiengebühren nun endgültig in schlichtes Bußgeld umgemünzt.

Damit hat sich das Ziel der studentischen Mitverantwortung in sein Gegenteil verkehrt, nicht nur ideell, sondern auch finanziell. Denn die Langzeit- und Zweitstudenten bleiben zwar weg, aber mit ihnen eben auch das erhoffte Geld. In Baden-Württemberg (wo die Strafgebühr bereits erhoben wird) hat sich dieser Effekt schon niedergeschlagen: Trotz eines Prozentes mehr Einschreibungen 1998/99 sank die Studentenzahl an den Landeshochschulen um 18,5 Prozent.

Und noch in einer anderen Hinsicht geht der Schuss nach hinten los. Eine Studie des Wissenschaftsrats vom Frühjahr nährt den Verdacht, dass nicht die verbummelten Studenten, sondern die Universitäten zum Teil selbst für die überlangen Studienzeiten verantwortlich sind. Denn die Fachstudiendauer variiert von Hochschule zu Hochschule enorm. So dauert das Informatikstudium in Chemnitz oder Bremen 10,4 Fachsemester, in Frankfurt dagegen 16,1. Und ein Mathematikdiplom beansprucht in Bremen 9,8 Fachsemester, an der TU Berlin aber 15,8.

Gäbe es echte Studiengebühren, müssten solche "Langzeitfächer" fürchten, ihre zahlende Kundschaft an eine andere Universität zu verlieren. Stattdessen müssen die Studenten dank der Bulmahnschen Gesetzesvorlage für ein schlechtes Lehrangebot auch noch Strafe zahlen. Verbieten, Entmündigen und Bestrafen: Das ist der Dreiklang sozialdemokratischer Bildungspolitik alter Schule.