Skopje/Brüssel

George Robertson kam, schimpfte und drohte - und siehe da, dem energischen Schotten gelang, worauf selbst die Unterhändler des Westens in Mazedonien kaum mehr hoffen mochten: Die Regierung und die albanischen Rebellen einigten sich auf ein Friedensabkommen.

Fürs Erste war der drohende Bürgerkrieg abgewendet. Ein Vorauskontingent von 200 britischen Elitetruppen und ein gutes Dutzend militärische "Spezialisten" landeten in Skopje. Dienstagnacht war klar, dass die Nato noch am Tag darauf verkünden würde, der Waffenstillstand sei stabil genug, um insgesamt 3500 Soldaten zur Operation "Bedeutende Ernte" zu schicken.

Doch die Nato kommt nicht, um sich zwischen Kämpfende zu werfen. Die Soldaten sollen nur einen Monat lang bleiben, freiwillig ausgehändigte Waffen zur Vernichtung einsammeln und wieder abziehen. An ihre Stelle rücken sodann Monitore der OSZE, um die Einhaltung des Friedens zu überwachen. Plausibel klingende Theorie: Hilfe zur Selbsthilfe statt Intervention und internationale Vormundschaft! Ganz, als hätte der Westen tatsächlich seine "Lektion aus dem Kosovo" gelernt.

Gründe zu hoffen, dass Mazedonien nicht den Weg von Slowenien (1991), Kroatien (1992), Bosnien (1993) und des Kosovo (1999) geht, gibt es in der Tat. Das geschickt ausgehandelte Abkommen verzahnt politische Reform und Entwaffnung der Rebellen eng miteinander: Binnen 30 Tagen sollen die Waffen in drei Schritten abgegeben werden, parallel dazu erhält die albanische Minderheit Verfassungsreformen zu ihren Gunsten. Jede Konfliktpartei hat wichtige Ziele erreicht und dafür Konzessionen gemacht. Die Albaner bekommen Anerkennung für ihre Sprache und Religion, mehr Selbstverwaltung und Mitbestimmungsrechte in der Landespolitik - alles berechtigte Wünsche. Die Souveränität des mazedonischen Staates hingegen bleibt unangetastet, auch in den albanisch bewohnten Gebieten.

So weit die guten Nachrichten. Doch die Wirklichkeit hat die Planung längst überholt. Beide Konfliktparteien haben dem Nato-Einsatz zwar zugestimmt, jedoch nur aus taktischen Gründen, nicht aus Einsicht. Mazedoniens Streitkräfte und Polizei waren nicht imstande, die UÇK-Guerilla selbst zu stoppen, geschweige denn, sie zu entwaffnen. Trotzdem geht im Land die Legende um, der Westen habe der Armee den Sieg entrissen. Empörte mazedonische Vertriebene blockieren den Grenzübergang Blace (an der Hauptverbindungslinie zwischen Kosovo und Mazedonien) und schwenken ein Transparent mit der Aufschrift "NATO - Neue Albanische Terroristen-Organisation". Falken wie der Premierminister Georgievski, dessen Paraphe auf jeder Seite des Abkommens stehen, stricken schon an einer Dolchstoßlegende, von den fast durchgängig parteilichen Medien eifrig sekundiert.

Dass dann ausgerechnet der Guerillaführer Ali Ahmeti eine Pressekonferenz gibt, bei der die Flaggen von Nato, EU und USA kamerawirksam hinter dem Haupt des Chefrebellen prangen, war westlicherseits kaum zu verhindern - den aufgebrachten Mazedoniern aber schwer zu vermitteln. Die Offiziere der Nato-Pressestelle in Skopje gehen unterdessen in Zivil zum Dienst; sie wissen, warum. Die Nato ist nach Mazedonien eingeladen worden - willkommen ist sie nicht.