Günstige Alternativen bietet eine Institution, mit einem rund um den Globus bekannten Namen: Der YMCA betreibt in einigen der beliebtesten Städte eigene Hotels, die den Jugendherbergsstandard längst hinter sich gelassen haben. Einst waren es Wanderarbeiter und Matrosen, die die "Young Men's Christian Association" mit günstigen Herbergen vor dem Abrutschen auf die schiefe Bahn bewahren wollte. Heute ist manches YMCA-Haus ganz auf gewöhnliche Touristen eingestellt.

Zum Beispiel New York: Vorbei die Zeiten, in denen die Village People in ihrem Schlager YMCA Schlafsäle als Aufreißertipp für junge Schwule besangen. In der Zehnmillionenstadt gibt es mittlerweile vier YMCA-Häuser, die Zimmer mit dem vollen Komfort eines Mittelklassehotels vermieten - an Männer wie Frauen jeden Alters. Das beliebteste Haus ist der YMCA West Side im Zentrum Manhattans, wo zwei Drittel der Gäste aus Übersee kommen. Für 180 Mark bekommt man hier ein Doppelzimmer mit Bad und kann die Cafeteria ebenso benutzen wie zwei Schwimmbäder, Sport- und Fitnesseinrichtungen. Und der Manager beteuert, dass die Gäste über die obligatorische Bibel im Nachttisch hinaus nicht mit religiösen Ansinnen behelligt werden. Mit den speziellen Reisearrangements für drei bis sieben Tage, die die beiden YMCAs West Side und Vanderbilt anbieten, sind sogar Museums- und Restaurantbesuche oder Stadtrundfahrten inbegriffen - fast zum selben Preis (Buchungsinformationen im Internet unter www.ymcanyc.org).

Auch in den Metropolen Ostasiens ist der YMCA eine gute Adresse für preisbewusstes Reisen: Im chronisch überteuerten Hongkong betreibt der Verein gleich drei Hotels. Im Herzen von Downtown-Kowloon liegt das berühmte Salisbury mit Blick auf den Victoria Harbour. Das traditionsbewusste Haus aus dem Jahr 1926 will seinen Gästen auf die sanfte Tour christliche Werte vermitteln: durch dezente Hintergrundberieselung mit internationaler christlicher Musik. 1992 wurde das Hotel auf eine Kapazität von 301 Zimmern und 62 Suiten erweitert. Die Preise reichen vom Doppelzimmer für 250 Mark bis zur Executive Suite mit Hafenblick für 450 Mark. Wer so viel nicht ausgeben will, kann entweder mit einem Schlafsaalbett für 30 Mark vorlieb nehmen oder für 170 Mark ein Doppelzimmer in einem anderen YMCA-Hotel beziehen. In Singapur betreibt der Verein ebenfalls ein zentral gelegenes Hotel. Das YMCA of Singapore verfügt über ein großes Schwimmbad auf der Dachterrasse (DZ ab 160 Mark, alle Preise für Asien gelten nur bei Online-Buchung unter www.ymca-hotels.com).

Ein Stop-over in Jerusalem kann leicht die Reisekasse sprengen. Das YMCA Hotel 3 Arches schafft da nur bedingt Erleichterung, kostet das komfortable Doppelzimmer doch immerhin 300 Mark. Aber dafür ist der Besuch in dem gemütlichen Haus gegenüber dem Luxushotel King David auch ein echtes Erlebnis. Der 46 Meter hohe Turm des Gebäudes, das ein amerikanischer Philanthrop 1924 als Ort der Toleranz stiftete, bietet einen spektakulären Blick auf den Ölberg.

In Europa sind anspruchsvollere Hotels unter den YMCA-Unterkünften noch die Ausnahme. Einen traditionell guten Ruf genießt das Arthur Hotel im finnischen Helsinki, das auch bei 144 Zimmern noch familiäre Atmosphäre bietet (DZ 195 Mark). Einen bisher einmaligen Versuch hat der CVJM in Hamburg gestartet: Das Junge Hotel ist äußerlich ein ganz normales Drei-Sterne-Hotel. Aber drinnen gibt es Familienzimmer, in denen raffiniert verborgene zusätzliche Betten wie in einer Schiffskajüte aus der Wand geklappt werden können; Kinder bis 13 Jahre übernachten kostenlos. Im Souterrain sind Sechsbettzimmer für Jugendgruppen. Aber das Gros der Gäste sind Geschäftsleute, die der Preis und die zentrale Lage in Bahnhofsnähe überzeugen (DZ 196 Mark). Dass hier unter anderem Langzeitarbeitslose wieder einen Job gefunden haben, bekommen die meisten gar nicht mit. Wenn das neu gebaute Haus Überschüsse abwirft, wird damit die Jugend- und Sozialarbeit des CVJM subventioniert. Das ist das Beste am YMCA-Tourismus: Man reist in dem Bewusstsein, Gutes zu tun.