Dem Volk zurückgeben, was dem Volk gehört - so begründete George W. Bush sein Steuergeschenk, mit dem er im Frühjahr die 280 Millionen Amerikaner beglückte. Mindestens 1,35 Billionen Dollar - wahrscheinlich mehr - wird die Wohltat während der nächsten zehn Jahre kosten, zu bezahlen aus den Überschüssen, die sich im Budget der Vereinigten Staaten ansammeln. Dachte Bush.

Pech allerdings, dass dem Volk ganz offensichtlich weniger gehört als angenommen. Mit der schlaffen Konjunktur sinken die Steuereinnahmen - und damit schrumpft das Plus im Haushalt Washingtons. Anfang des Jahres rechneten Bushs Etat-Strategen für 2001 noch mit einem Überschuss von 300 Milliarden Dollar. Jetzt darf der Präsident auf 160 Milliarden hoffen, fast ausschließlich in den Kassen der Sozialversicherung. Die aber sind sakrosant, dürfen, das hat Bush gelobt, nicht angetastet werden.

Neun Monate nach seinem Amtsantritt geht dem Mann im Weißen Haus also das Geld aus. Eigentlich, hatte er versprochen, sollte es noch viele andere goodies geben - mehr Mittel für das Militär und die Raketenabwehr, mehr Geld für die Bildung, einen teuren Einstieg in die Privatisierung der Rentenversicherung. Nun aber scheint es, als mache ein einziges Steuerpräsent den finanzpolitischen Spielraum des Präsidenten völlig zunichte. Bush versprach Reformen - und leert die Staatskasse.

Möglich, dass dahinter politisches Kalkül steckt. Wer nichts hat, kann nichts verteilen, und wer nichts verteilt, der senkt die Staatsquote - seit jeher das wichtigste wirtschaftspolitische Ziel der republikanischen Partei des Präsidenten. Wahrscheinlicher aber ist die für einen solchen Kurs nötige strikte Ausgabendisziplin auch unter Bush, was sie immer war - ein frommer Wunsch. Schon einmal versuchte ein amerikanischer Staatschef, die Steuern und Ausgaben gleichzeitig zu senken: Ronald Reagan. Er scheiterte. Folge waren riesige Haushaltsdefizite und eine ausufernde Staatsverschuldung. Springt die Konjunktur nicht wieder an, ist George W. Bush auf dem besten Weg, es Reagan nachzutun.