Während des Präsidentschaftswahlkampfs sagte der eloquente Bewerber über seinen sprachlich ungelenken Konkurrenten, dieser sei kaum fähig, "mehr als eins von vier Wörtern korrekt zu buchstabieren". Er sei "ein Barbar, der keinen grammatisch vollständigen Satz bilden" könne. Der Geschmähte ließ sich die Bloßstellungen gern gefallen - erlaubten sie ihm doch, seinen Gegner als gefährlichen Schlaumeier hinzustellen, während er selbst als vertrauenswürdiges Abbild des einfachen Mannes erschien.

Die Rede ist nicht von der Kampagne Gore vs. Bush aus dem vergangenen Herbst, sondern vom Rennen John Quincy Adams' gegen Andrew Jackson, das für den gebildeten Insider ähnlich schlimm ausging. Jackson gewann in der Rolle des tumben Barbaren gegen den neuenglischen Patrizier Adams.

Das war 1828. Der einfältige Präsident, der stotternde Dummkopf an der Macht - das ist ein alter amerikanischer Mythos, der gerade wieder Saison hat.

Nicht genug damit, dass die Vereinigten Staaten die Luft verpesten, den Weltraum aufrüsten und den Balkan bombardieren: Ihr neuer Präsident setzt sich mit seinen zahllosen Versprechern und Fehlleistungen dem weltweiten Gespött aus. Dass der Simplizissimus im Amt ein urdemokratischer Mythos ist, wird im Rest der Welt selten durchschaut.

Nun ist gar ein Bush Dyslexicon erschienen, das die ärgsten Schnitzer liebevoll im Wortlaut verzeichnet: Er habe in seiner Zeit als Gouverneur von Texas "nie eine schuldige Person hingerichtet", und er werde keine Fragen beantworten, weder "auf Französisch noch auf Englisch, noch auf Mexikanisch".

Den "Kosovarianern" wünsche er alles Gute, Afrika sehe er als "eine Nation, die an schrecklichen Krankheiten leidet". Unvergesslich auch Bushs Definition von Verlässlichkeit: "Nun, ich denke, wenn sie sagen, dass sie etwas tun und es dann nicht tun, das ist vertrauenswürdig."

Das Gestotter des Präsidenten ist die willkommene Würze des gerade wieder einmal aufflammenden Antiamerikanismus: Man möchte darin - wie der Autor des Dyslexicons - ein Indiz des Niedergangs der amerikanischen Demokratie sehen.