Honoré-Gabriel Riqueti Comte de Mirabeau: Der Blick hinter den Vorhang oder Lauras Erziehung aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Petra-Susanne Räbel Haffmans Verlag, Zürich 2001 175 S., 36,- DM Die Liebe ist zuallererst die Lust des Fleisches, und dieses erstmals 1786 erschienene Buch (das den Marquis de Sade beeindruckt und beeinflusst hat) ist ein Bildungsroman der konkretesten Art und zugleich einer der elegantesten pornografischen Romane, die je geschrieben wurden. Er handelt von der Utopie permanenter Lust und von der Kultivierung der Leidenschaften: Damals, vor der Französischen Revolution, ein unerhörtes Ziel heute, da die Zeit knapp, der Sex sportiv geworden ist und die Verbote verschwunden sind, ein ausgeträumter Traum.

Arno Holz: Des Schäfers Dafnis Fress-, Sauf- & Liebeslieder hrsg. und mit einem Nachwort von Burkhard Moenninghoff Haffmans Verlag, Zürich 2001 283 S., 36,- DM Die Liebe ist zuallererst die Lust der Wörter, sie schlagen in dieser 1904 erschienenen Nachahmungs-, Erneuerungs- und Übersteigerungsorgie der Barockdichtung die wildesten Kapriolen, auch wenn es um die zartesten Gefühle geht: "Brunette / laß das sein mein Hertz ist nicht von Stein / mein Hertz ist gantz aus Wacks / es brännt wie Fla cks! / Dein runder Haltz / dein weißes Knie macht keines-falls / daß ich dich flieh. Auf deinen Brüsten schwimmt dein Hahr / Frau Potifar/Frau Potifar!"

Dolce vita. Schlemmergeschichten aus Italien hrsg. v. Petra Neumann Knaur Taschenbuch, München 2001 315 S., 16,90 DM Die Liebe ist zuallererst die Lust des Schlemmens, und diese kleine Anthologie versammelt einige banale sowie einige sehr hübsche Geschichten übers Essen und übers Lieben in Italien, darunter Robert Gernhardts ebenso bizarre wie amüsante Erzählung vom jungen Paar, das "ancora" und "basta" verwechselt, was tödlich enden könnte, hier aber gut ausgeht.