Kaum ein gefrusteter Aktionär hat in den vergangenen Wochen glauben wollen, dass es an der Börse noch schlimmer kommt. Bloß: Es ist noch schlimmer gekommen. Der Dax sinkt von Jahrestief zu Jahrestief

der Neue Markt - eigentlich als Wachstumsbörse gedacht - schrumpft beständig

in Japan ist der Nikkei auf den tiefsten Stand seit 17 Jahren gefallen

und auch in den Vereinigten Staaten überwiegen die schlechten Nachrichten. Wie bitter die Baisse schmeckt, haben hierzulande gerade die Aktionäre von MLP erfahren. Der Wert des Finanzdienstleisters - seit kurzem ein Dax-Unternehmen - hat sich seit Mai halbiert

mehr als fünf Milliarden Euro gingen verloren.

Dass MLP strauchelte, hat einen einfachen Grund: Die Aktie ist, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), viel zu teuer. Das KGV gibt an, wie hoch die Börsianer ein Papier in Relation zu den erwarteten Erträgen des Unternehmens bewerten. Vor dem Kurssturz wurde MLP mit mehr als dem 100fachen des erwarteten Gewinns gehandelt - um das zu rechtfertigen, spotten Kenner, müsste der Finanzdienstleister schon die halbe Welt mit Fonds und Versicherungen versorgen. Die Aktie des Wettbewerbers AWD wird mit dem 32fachen des erwarteten Gewinns bewertet, das Papier der Deutschen Bank mit dem 14fachen. Doch MLP weist auch nach dem tiefen Fall noch ein KGV von 75 auf.

Wenn Börsianer eine Aktie verschmähen, weil sie ihnen zu teuer erscheint, ist das auf den ersten Blick vernünftig. Man könnte auch von der Rückkehr zur Realität sprechen, weil nun die übertriebenen Kurse der Vergangenheit korrigiert werden und traditionelle Kennzahlen wieder im Mittelpunkt stehen.