Der Konflikt zwischen Hutu und Tutsi in Ruanda geht keineswegs auf eine "uralte Feindschaft" beider Gruppen zurück. Die Zugehörigkeit zum "Stamm" der Hutu, den traditionellen Ackerbauern, und zum "Stamm" der Tutsi, den Viehzüchtern, galt nicht immer als unabänderlich. Ein Wechsel zwischen beiden Gruppen war durchaus möglich. Erst die deutschen und nach dem Ersten Weltkrieg die belgischen Kolonialherren erklärten die Minderheit der Tutsi zur "höherwertigen Rasse", förderten ihre Ausbildung und gewährten ihnen Privilegien, um mit ihrer Hilfe das Land zu kontrollieren. Später verlangten die Belgier die Eintragung der ethnischen Zugehörigkeit im Personalausweis und zementierten damit die politische Spaltung der Bevölkerung. Dennoch blieben gemischte Ehen nichts Ungewöhnliches, Hutu und Tutsi lebten in den Dörfern als direkte Nachbarn - und tun es vielerorts auch heute wieder.

1959 Die Hutu erheben sich gegen die Vorherrschaft der Tutsi. Nach dem blutigen Aufstand fliehen viele Tutsi in die Nachbarländer.

1962 Die Unabhängigkeit Ruandas markiert das Ende der Tutsi-Monarchie. Das Land wird "demokratische Republik". Die Flüchtlingswelle der Tutsi wächst.

Angriffe von Exil-Tutsi schlägt die Regierung zurück und antwortet mit verstärkten Repressalien gegen die Tutsi-Bevölkerung in Ruanda.

1973 Die gewalttätigen Übergriffe gegen die Tutsi nehmen zu. Sie sollen von höherer Bildung und Verwaltungsposten ausgeschlossen werden. Erneut fliehen viele Tutsi ins Ausland. Armeechef Juvénal Habyarimana, ein Hutu, nutzt die Unruhen zu einem Militärputsch.

1978 Habyarimana etabliert ein "demokratisches Einparteiensystem" und wird als einziger Kandidat zum Staatspräsidenten gewählt. Korruptionsaffären und Wirtschaftskrisen (Verfall des Weltmarktpreises für Kaffee) erschüttern Ruanda in den folgenden Jahren.

1990 Der Bürgerkrieg beginnt. Exil-Tutsi haben die Ruandische Patriotische Front (RPF) gegründet. Aus Uganda dringt die Rebellenarmee in Ruanda ein. Ihr Ziel ist der Sturz des Habyarimana-Regimes. Die RPF wird zurückgeschlagen, doch das Land kommt nicht mehr zur Ruhe. Trotz wiederholter Friedensverhandlungen und Waffenstillstandsabkommen flammen die Kämpfe immer wieder auf, weil Vereinbarungen nicht eingehalten werden.