Der Bundeskanzler begräbt das Gleichstellungsgesetz, was einige schockiert.

Dabei ist der Entwurf sowieso überholt, denn die Frauenbewegung ist nicht tot, wie oft behauptet, sie ist angekommen. Der Beweis ist mein Kameramann.

Er kürzt sich regelmäßig sein Achselhaar. Dabei ist er gar kein unmännlicher Typ. Im Gegenteil, Muskeln, Tattoos - aber er trägt eben gerne ärmellos, deshalb der penible Kurzhaarschnitt. Natürlich ist er nicht der einzige lebende Beweis für den späten Erfolg der Frauenbewegung, aber sein Verhalten ist absolut charakteristisch für die veränderten Gepflogenheiten unserer Männer.

Zum Beispiel tragen Männer diesen Sommer erstmals ungeniert Rock. Käsige Igelbeine leuchten uns selbstbewusst entgegen, vorzugsweise aus schottischen Kilts, besonders trendy der Hector Russel Kilt, den es bei ausgesuchten Herrenausstattern für stolze 450 Mark zu kaufen gibt. Ebenfalls häufiger am Mann gesichtet: der olivgrüne Wickelrock vom italienischen Hersteller Take Two mit einem raffinierten Gehschlitz vorne, der bei jedem größeren Schritt die Beine bis ganz oben offenbart. Die konsequent Modischen tragen minikurze Jeans- oder Cordröcke. Und schuld daran ist, jedenfalls nach Ansicht von englischen Sozialforschern, der Mann von Madonna, Guy Ritchie. Der bekennt sich nämlich längst zum Rock. Aber die wahre Motivation der Rockträger geht weit über den reinen Nachahmungseffekt hinaus: Das starke Geschlecht spielt mit einem neuen Männlichkeitsbild. Wer wirklich maskulin ist, darf heute Röcke tragen, Kosmetika benutzen und sich seine Achselhaare trimmen - bis vor kurzem ausschließlich in Schwulenkreisen denkbar.

Nach 50 Jahren Verdrängungskampf durch die Frauen, die sich in seine Jobs, seine Sportarten und seine Kneipen gepusht haben, schlägt der Mann jetzt zurück, indem er seinerseits die Frauendomänen erobert. Vom Erziehungsratgeber wie Väter sind die besten Mütter (Econ Verlag) bis hin zum Online-Bügelkurs gibt es für den neuen Mann alles, was das verweiblichte Herz begehrt. Auf Herberts Männerseiten (maennerseiten.de) etwa erfährt der Hausmann Wissenswertes über Spannbetttücher und Tupperware. Der Paradigmenwechsel ist nicht mehr aufzuhalten, die ersten hautfarbenen Feinstrumpfhosen sind bereits im Handel, und bald wird niemand mehr schmunzeln, wenn der Mann mit Glockenrock und Gurkenmaske am Bügelbrett steht.

Schwestern, haben wir das wirklich gewollt?

Die Autorin moderiert und leitet das TV-Magazin Polylux, jeden Montag um Mitternacht in der ARD