Längst war der Kampf um Hamburgs Innenstadt verloren, der Abriss denkmalgeschützter Kontorhäuser genehmigt und eine protzige Einkaufsglocke zwischen Alster und Petri-Kirche beschlossene Sache. Kultursenatorin Weiss, für die Denkmalpflege zuständig, zog sich ins Schweige-Exil zurück, die Macht des Geldes hatte gesiegt (ZEIT Nr. 20/01). So zumindest schien es. Dann aber kam die Wende: Lautstarker Protest brach aus und bei Bürgermeister Runde saurer Angstschweiß. So viel Stolz und Kampfesgeist hatte er seinen Hanseaten offenbar nicht zugetraut. Rasch ließ er verkünden, dass "an der Integration des Projekts in den Stadtgrundriss und die historische Bausubstanz noch weiter gearbeitet werde". In Wahrheit sei alles noch offen, will Runde den Protestlern sagen - und sie ruhigstellen, zumindest bis zur Wahl im September. Ohne dabei mit der CDU zu rechnen, die das Thema an sich und in den Wahlkampf zieht: Hamburg dürfe nicht aussehen wie Fulda oder Hannover, sagt Wolfgang Drews von der CDU - und will die Verschandelung des "Kunstwerks Hamburg" (Fritz Schumacher) auf der nächsten Bürgerschaftssitzung diskutieren. Keine Fassadenabrisse! Keine Verwandlung der Innenstadt in einen Center-Freizeitpark! Keine Einsargung des öffentlichen Raums! Dafür will Drews kämpfen. Und hofft immer noch, dass auch die Kultursenatorin aus ihrer Lethargie erwachen möge. Noch vor der Wahl.