Die Autorin Claudia Herstatt kritisiert den Beruf der Beutekunstfahnder, im Besonderen die Arbeit meiner Person, als kommerzielle Freibeuterei. Dieser Vorwurf schmerzt.

Staaten können ihre Ansprüche politisch durchsetzen. Dies gilt nur in den wenigsten Fällen für Privatleute. Nur selten trennen sich Museen oder steinreiche Sammler freiwillig von geraubten Kunstwerken. Nicht nur US- Museen lassen mittellose Erben oft jahrelang auflaufen. Auch ein Münchner Museum ließ den Sohn einer vom Nazistaat beraubten Sammlerin wissen: "Wenn Sie es wagen, hier zu klagen, werden wir den Streitwert des Gemäldes derart in die Höhe treiben, dass Ihnen die Lust am Klagen schon vergehen wird!" Das Münchner Lenbachhaus weigert sich auch nach zehn Jahren, ein von den Nazis gestohlenes Gemälde von Paul Klee herauszugeben.

Ein Schweizer Milliardär und Besitzer eines geraubten Kandinsky-Gemäldes lässt den Kläger ebenfalls seit einem Jahrzehnt ins Leere laufen. Die Honorare hoch spezialisierter Anwälte haben inzwischen schon so manches Einfamilienhaus pulverisiert, doch der Kläger gibt nicht auf. Ich helfe ihm dabei, so gut ich kann.

Es dauert oft Jahre, um eine lückenlose Beweisführung zusammenzutragen. Diese Arbeit ist mühsam und kostspielig. Regierungen können solche Dienstleistung bezahlen, Privatleute nicht. Also gibt es eine Hand voll spezialisierter Historiker, die mit diesem Job ins Risiko gehen, bei Misserfolg draufzuzahlen. Dass sie bei Erfolg am Erlös partizipieren, passt der Autorin nicht. DieGerechtigkeit habe sich von selbst zu vollziehen. Die Realität gibt ihr leider Unrecht.

Der Münchner Direktor, dessen Museum sich nach wie vor an einem gestohlenen Paul Klee bereichert, fühlt sich nun berufen, mich als "Abkassierer" zu beleidigen. Frau Herstatt bläst ins gleiche Horn. Dass heute nur der wohlhabende Kläger zum Zuge kommt, stört sie offenbar wenig. Ihre Meinung sei ihr unbenommen, nicht jedoch die mangelnde journalistische Sorgfaltspflicht.

Die mir unterstellten astronomischen Gewinne nach Abzug aller Kosten gehören ebenso ins Reich der Fabel wie die Behauptung, ich würde von Händlern finanziert, die in Beutekunst investieren. Wer dies hinter "vorgehaltener Hand" behauptet, sollte aus dem Verborgenen treten, denn ich habe niemanden zu verbergen. Ich bin und bleibe reiner Überzeugungstäter.

Clemens Toussaint Frankreich