Das Mutterland des Fußballs hat seine eigenen Regeln: nicht was das Kicken auf dem grünen Rasen anlangt, sondern bei den Spielen der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Die nämlich soll das Volk der Briten komplett sehen können - alle 64 Spiele, und zwar im Free TV. Für die Münchner Kirch-Gruppe, die vom Fußball-Weltverband Fifa die Fernsehübertragungsrechte erworben hat, ein glattes Foul. Kirch hatte alle Rechte an der WM erworben. Erst danach haben die Länder der Europäischen Union mit dem Segen der EU-Kommission Listen erstellt, welche Sportarten nicht ins Pay-TV verbannt werden dürfen. Einige Fußballspiele, wie das WM-Finale, gehören dazu.

Doch die Engländer wollen alles. Während sich Länder wie Deutschland oder Spanien an die zwischen Fifa und dem Fernsehkaufmann Leo Kirch ausgehandelten Regeln halten - nämlich nur die Spiele der jeweiligen Nationalmannschaft, Eröffnungsspiel, Halbfinale und Finale frei zu übertragen -, will England alle Spiele. Und auch das hat die EU genehmigt.

Damit war der Gerichtsweg vorgezeichnet, und das gleich an mehreren Fronten.

So streitet sich Kirch vor dem Europäischen Gerichtshof mit der Kommission.

In England mit der Medienbehörde ITC, weil die nur die beiden Sender BBC und ITV für die Übertragung vorgesehen hat. Und schließlich mit der britischen Wettbewerbsbehörde OFT, weil die beiden Sender für den Erwerb der Rechte gemeinsam bieten - in den Augen von Kirch ein Kartell. Das Schmerzhafte für Kirch ist, dass er wohl kaum die geforderten 170 Millionen Pfund bekommen wird. Die Sender bieten nämlich nur 50 Millionen, berichtet der Mediendienst epd. Und in der Zeitung Guardian ließ der öffentlich-rechtliche Sender BBC verkünden, das sei "unser letztes Angebot".