Die Fortschritte der Künstliche-Intelligenz-Forschung beschäftigen im Jahr 2001, wen wundert's, die Fantasie der Popkultur und der Wissenschaft: Artificial Intelligence heißt kurz und knapp Steven Spielbergs neuer Film.

Und Lingua Franca, die erfreulich sachliche geisteswissenschaftliche Zeitschrift mit interdisziplinärem Fokus, zieht in der Titelgeschichte der Septemberausgabe die Zwischenbilanz eines spektakulären AI-Langzeitprojekts.

Doug Lenat, der Ende der siebziger Jahre in Stanford begonnen hatte, die Möglichkeiten lernfähiger Computersysteme zu ergründen, sitzt seit nunmehr 17 Jahren an seinem Lebenswerk: Er versucht, einer von ihm selbst entwickelten Software namens CYC Common Sense beizubringen.

Seit Mitte der Achtziger füttert Lenat sein Programm mit Alltagswissen. Ziel dieses work in progress ist ein System, das in der Lage sein soll, Informationen auf eine Weise zu verarbeiten, die unserem "gesunden Menschenverstand" nahe kommt. Eine Crux aller bisherigen Programme ist nämlich, dass sie gerade an dem scheitern, was sich für Menschen von selbst versteht. Es ist zwar möglich, Expertensysteme zu schaffen, die klar spezifizierte Aufgaben in übermenschlicher Geschwindigkeit und Genauigkeit erledigen. Aber kann man einer Maschine beibringen, zu lernen und die Lernerfahrungen miteinander in Beziehung zu setzen?

Professor Lenat glaubt fest daran. Um überhaupt mit dem Lernen anfangen zu können, muss das System, wie er bemerkt hat, bereits über eine beträchtliche Menge von Hintergrundwissen verfügen. Mit seinem Team hat er CYC also über die Jahre Millionen von Common-Sense-Daten eingegeben: "Man sollte ein Glas Wasser beim Transport mit der Öffnung nach oben halten." - "Klaustrophobiker empfinden Angst in engen Räumen." - "Krankenschwestern pflegen Kranke." -

"Wenn Menschen sterben, sind sie tot." - "Tote bleiben tot." - "Wenn man eine Bronzestatue einschmilzt, bleibt die Bronze erhalten, aber die Statue ist zerstört."

Die Maschine käme freilich mit lauter Einzeltatsachen dieser Art nicht weit.