Tony Cragg, der Allgegenwärtige, ist ein Wanderer in vielerlei Welten: experimentell einerseits und andererseits für manchen ein Grenzgänger in Richtung Kunsthandwerk. Was hierzulande, wo der schöne Nutzen wenig gilt, stets beleidigend gemeint ist.

Sprunghaft erscheint das Werk, und ansehnlich ist diese Kunst tatsächlich. Es ist eine merkwürdige Schönheit, die sich da auftut, geboren aus kreativer Vernunft und einem Sinn für den Auftritt von Materialien. Cragg macht das Schwere leicht, bindet Leichtes zu blockhaften Arrangements und verblüfft durch Unverwechselbarkeit: Großformen in Bronze wirken wie in steter spiraliger Bewegung. Farbiger Marmor, in Scheiben aufgebaut, schwingt sich zu polierten Säulen empor. Gläser, Glasscherben sind komponiert zu einem lichten, luftigen Gebäude.

"Ich weiß nicht, wie sehr die Bildhauerei mich interessiert. Das Objekt Welt interessiert mich." Sagte Tony Cragg, dessen Neugier auf Welt sicher ungebrochen ist. Der aber andererseits nicht müde wird, Skulpturen formend zu erfinden und dabei stets auf der Suche ist nach "mehr Wissen aus den unvermuteten Ecken der Welt".

Nun sind die neueren Arbeiten von Cragg in den Kunstsammlungen Chemnitz zu betrachten und die raumgreifenden Plastiken des 52-jährigen Briten wirken in den strengen, schönen Jugendstilsälen des Museums wie der Besuch unbekannter Wesen. Der Kontrast ist deshalb so gelungen, weil eine ausgeprägte künstlerische Position unserer Zeit hier auf eine historische, nicht minder selbstbewusste Architektur trifft.

Die erste Ausstellung des Künstlers in den neuen Bundesländern, so heißt es im Katalog, sei eine Herausforderung. Zu spüren ist das in der nach Craggs Vorstellungen präsentierten Schau nicht. Selbst das Besucherbuch, in dem doch überall gern gesudelt wird, ist voll positiver, ja animierter Anmerkungen.

Und die Besucher selbst reagieren in der Ausstellung offensichtlich mit Neugier und Geduld auf die rätselhaften Erscheinungen. Was nirgendwo selbstverständlich ist, wo Craggs komplexe plastische Zeichen - wie der Künstler sich schon 1983 wünschte - "neue Erfahrungen, neue Einsicht und neue Freiräume" erschließen. Mit Stichwörtern wie Turm, Schale, Vase, Figur sind diese Arbeiten nur unzureichend umschrieben. Fantasie allerdings setzen sie nicht unbedingt frei. Eher die Akrobatik der Assoziation, bei aller Hermetik.

Denn der Schönheit zum Trotz halten die Skulpturen Distanz: fremde Körper in hohen Räumen.