Dass Fernsehen das Museum ersetzen kann, klingt unwahrscheinlich. Aber fragen Sie das Museum. Dort arbeitet man schon lange mit Videos. Zeugnisse, verstanden als Überlebende alter Zeiten, kommen nun mal am besten im bewegten Bild.

Die alten Zeiten sind noch gar nicht lange her. Und trotzdem manchmal so tief abgesunken, dass man kaum glaubt, es habe damals schon Wort und Schrift gegeben - geschweige denn die Kamera. Die Fischerei zum Beispiel. Ihre große Zeit ging erst in den siebziger Jahren zu Ende. Was war sie, bevor sie arbeitsteilig, technisiert, industrialisiert und nebenbei zum Sport wurde?

Eine unvorstellbar harte Arbeit - und mehr: existenzielle Kunst, dem Meer seine Schätze abzuluchsen, Reise, Raub, nächtliche Lauer, Geheimwissenschaft.

Uralte Tradition.

Es gab Fischergilden, ungerecht verteilte Fangrechte, nur mündlich überlieferte Techniken zum Bau von Spezialfallen, Kämpfe um Fischgründe, eine eigene Sprache. Was ist das, ein Fleet, ein Reet, ein Hol, ein Spill? Dahin, Gefahr und Verheißung, vergessen fast - gäbe es nicht das Fernsehen. Und die letzten Überlebenden eines Handwerks, das Jagd, Seilerei und Seefahrt innig zusammenschloss. Dokumentarfilmer Wolf Lengwenus hat sie aufgespürt und befragt. Und sie erzählen.

Auch die drögsten Nordmänner reden sich in Feuer, wenn es um ihre Leidenschaft und um ihr Leben geht, die Fischerei. Wie das war, wenn plötzlich ein Sturm aufkam und man ihn abreiten musste? Wenn sie die Fleet, eine Verknüpfung von 140 Einzelnetzen, über eine Rolle ins Wasser ließen und später mit der Spill wieder ins Boot zogen ... Altes Filmmaterial ist wunderbarerweise vorhanden. Man sieht die vorzeitlichen Kämpfer gegen Sturm und Eis, für guten Fang und reichen Hol. Ein raues Geschäft, aber voller starker Reize, lehrt es doch vieles über die Lebensumstände in dem Element, aus dem wir alle kommen.

Der Fünfteiler Fischfänger, zur Prime Time ein superber Ersatz für einen Museumsbesuch, entführt am 24. August zu den Küstenfischern, am Freitag darauf weit raus auf den Ozean. Die Hochseefischerei war zeitweilig ein wüster Streit um Fanggebiete, ein Wettrennen um die avancierteste Technik, eine Endlosreiberei um Grenzen und Grundsätze. Die Küstenfischer hatten es besser, sie ernährten ihre Region und füllten ihren Beutel. Der Reichtum der alten Hansestädte, er gründete sich auf Silber: auf das glitzernde Schuppenkleid des Herings. Heute lohnt sich der Fang nicht mehr, ausländische Konkurrenz verdarb die Preise. Aber manchmal kehren alte Traditionen unverhofft zurück. So haben auf den mecklenburgischen Seen die Flusskrebsfischer wieder Konjunktur, und auf Sylt wird die Austernzucht erneut betrieben, die vor 100 Jahren als nicht mehr lukrativ genug eingestellt wurde.