Hei, was haben wir in Worms alles zu hören bekommen: Von Eifersucht, Verrat und Untergang ist dort die Rede, von herrlich blondbezopften Weibern und drachenblutgetränkten Recken. Nicht weit von Paulus-Apotheke und Tiefpreismarkt drückt sich seit dem vergangenen Wochenende das Nibelungenmuseum an die alte Stadtmauer der schmucken Stadt am Rhein (www.nibelungen-museum.de). Zwei Türme, einen Wehrgang und eine Schatzkammer lang werden wir darin herumgeführt. Kopfhörer sind Pflicht

zu sehen und zu lesen gibt's ohnehin so gut wie nichts. Das Zeug zum Nibelungen-Graceland hat das Museum somit allemal. Mario Adorf nimmt uns - als anonymer Dichter des Nibelungenlieds getarnt - an die Hand und brummt uns zu Walkürenritt und Pferdegetrampel Erklärungen ins Ohr. Wir folgen ihm treppauf, treppab aufs Wort. Im ersten Turm bohrt sich ein metallischer Riesenraketenkegel durch die Mitte, ein Zepter aus dem Hort soll er wohl symbolisieren. Mehr als tausend Bilder darauf ergeben ein wildes Mosaik rund um das sagenhafte Splatter-Epos.

Im zweiten Turm dürfen wir aus den Fenstern schauen, weit ins Wormser Hinterland, und werden obendrein belehrt über die Handschriften A, B und C.

Dann geht's auch schon bergab: Dort tief unter Worms liegt der Nibelungenschatz begraben als virtueller Bilderrausch mit Klangkulisse im computeranimierten Chill-out-Room. Ein Hagen, wer Böses dabei denkt.