Ein Maserati ist nicht unbedingt das, was manche sich darunter vorstellen. Er ist weder so teuer wie ein Ferrari oder Aston Martin, noch ist er etwa ein Sportwagen von jener Art, die man kompromisslos zu nennen pflegt. Ein Maserati 3200 GT ist zunächst einmal, seinen erschröcklichen 370 PS zum Trotz, ein Auto, das den Fahrer mit einer Aura sanfter Gelassenheit und unerschütterlicher Ruhe umfängt. Sanft sind seine Linien, unerschütterlich die Festigkeit der Karosserie, gelassen der Verzicht auf ein Übermaß an Hebeln und Anzeigen.

Mit dem Maserati kann man einfach losfahren, als hätte man nie etwas anderes getan. Es gibt einen kurzen Schock beim Anlassen des Motors, der sich mit dem berühmten Donnergrollen meldet, aber einem gedämpften nur, wie eine milde Warnung. Dann geht alles wie geschmiert

vorausgesetzt, man geht vorsichtig mit dem Gaspedal um und hat eine Automatik an Bord. Mit Kupplung und Sechsgangschaltgetriebe ist alles anders

über die Kupplung haben Autotester schon Horrorgeschichten geschrieben, es war eine schwere Kränkung für die Vertreter der Zunft, sie konnten mit dem Wagen nicht losfahren, bald erstarb der Motor, bald drehten die Räder rasend durch.

Die Kupplung, kurzum, ist ein ernster Hinweis auf das bedrohliche Drehmoment von acht Zylindern, vier Nockenwellen und zwei Turboladern (maximal sind es 491 Newtonmeter)

aber weitere Hinweise auf die Wahrheit werden von diesem Wagen nicht gegeben, und die Automatik verweigert sogar diesen. Die Wahrheit zeigt sich erst auf der Autobahn, wenn der Motor, als sei es nichts, noch einmal hurtig von 220 auf 260 km/h beschleunigt. Nur die Turbolader melden sich mit einem leisen Pfeifen vorn rechts und vorn links

ungefähr so, wie ein Meister seines Faches bei einem schwierigen, doch gewohnten Handgriff leise vor sich hin pfeift. Der Maserati pfeift also stillvergnügt vor sich hin und vertreibt den Mercedes, der nicht weichen wollte, von der linken Spur. Man merkt dem Mercedes das ungläubige Staunen an (es ist mehr Staunen als Widerwille), denn der Maserati macht dabei ein liebes und durchaus nicht aggressives Gesicht. Es fehlen ihm das vorgeschobene Kinn und die gefletschten Zähne der deutschen Raser