Die Nachricht traf uns, wir geben es zu, als ein kleiner Schock: Wolgograd soll wieder den Namen Stalins tragen, des schrecklichsten aller Zaren, der mit Mao, Pol Pot und Hitler den ersten Rang unter den Millionenmördern des 20. Jahrhunderts besetzt. So schlug es der Gouverneur des Distriktes vor. So verlangen es die Kriegsveteranen seines Gebietes. So will es, angeblich, die Mehrheit der Bevölkerung, die nach dem Rat Präsident Putins respektiert werden sollte. Beifall des Kommunistenchefs Sjuganow, der dafür plädiert, über den "Fehlern" und "Gesetzesverletzungen" die "großen Siege" in der langen Regentschaft des Diktators nicht zu vergessen.

Stalingrad bezeichnet die Wende des Zweiten Weltkrieges. Mit dem sowjetischen Triumph, den freilich nicht der rote Zar, sondern Marschall Schukow unter entsetzlichen Opfern errang, schlug eine Welle der Depression über den Deutschen zusammen: an die 150 000 Soldaten gefallen und 90 000 gefangen (von denen 6000 in die Heimat zurückkehrten) - der Anfang vom Ende.

Haben die Bürger der heimgesuchten Stadt nicht ein Recht, sich des Namens zu erinnern, der in der Weltgeschichte (und auf den Schildern einer Pariser Metro-Station) unauslöschlich verzeichnet ist? Eine Entstalinisierung fand ohnedies nicht statt. Putin holt sie nicht nach. Mit "Stalingrad" bliebe er sich treu. Der Ruhm der Nation war stets das Opium des Volkes. pp.