MP3, DVD, LCD - diese Kürzel sind die Zukunft, dröhnt die ifa. Auf der Berliner Funkausstellung versuchen die Sonys und Panasonics mit neuen Bild- und Tonmaschinen den gelangweilten Konsumenten zu ködern. Nach Audio wird auch Video vollkommen digital: zum Sehen in hoher Bildqualität, zum Speichern auf der Platte, zum Abrufen über TV oder Computer.

Was aber zeigen die Maschinen? Meistens jenes Einerlei, das schon in analoger Technik nervte. Wer denkt, Biotechniker hätten das Klonen erfunden, verkennt die Film- und Fernsehbranche. Explosiv war dem US-Fernsehen abgeschaut - bald kopierten es viele deutsche Sender. Oder die Quizsendung des Millionärs Günther Jauch, die nun mit anderen Fragern überall läuft. Das ganze Programmschema des Tages wurde geklont.

Fernsehen ist ein bizarrer Markt. Normalerweise erzeugt Wettbewerb immer neue Produkte zu sinkenden Preisen. Hier das Gegenteil: Fernsehen wird teurer, gerade jetzt wieder, wo Konzerne aus Amerika das deutsche Kabelnetz übernehmen dürften und Leo Kirch seine Rechte so teuer wie möglich zu Markte trägt. Gezeigt wird mehr vom Gleichen, und die Qualität nimmt im Schnitt ab.

Kein Wunder: Die Sender versuchen, immer billiger zu produzieren, weil die Rechte für Sport und Blockbuster wegen der harten Konkurrenz immer teurer werden. Für den Zuschauer funktioniert das nach dem Abhärtungsprinzip: Das erste Mal Beverly Hills 90210 (oder RTL aktuell oder Brisant) ist furchtbar - ab dem zehnten Mal deckt sich der Mantel der Gewöhnung darüber.

Qualität als Knüller

Wohl wahr, dass mit Ally McBeal die Qualität zum Knüller wurde, dass die Tagesschau noch immer ein Hit ist. Das sind kleine Siege in einer langen, schleichenden Niederlage. Auch ARD und ZDF rühren erfolgreich mit beim Einerlei. Derweil verschwinden Dokumentation und Kultur in den Minderheitenkanälen 3sat und Arte. In der Natur herrscht Evolution, hier wird sie zurückgedreht.

Ein Entkommen verheißen weder Regulierer und Politiker, sondern der Mensch und die Technik. Die Zuschauer gehen auf Distanz, wenn Werbung zum advertainment und das Programm dazwischen zum Produkt wird. Das Publikum weiß, nach welchem Kalkül die Sendungen entstehen, welcher Konzern mit wem verbandelt ist. Diese Distanz machte es leicht, auf den Samstagabend-Fußball bei Sat.1 zu verzichten. Die Power-Taste werden auch andere Programmplaner, die sich ihrer Fernsehmacht zu sicher sind, zu spüren bekommen.