Auch auf seiner zweiten Reise als Nahost-Vermittler dementierte Joschka Fischer seine neue Rolle als Makler zwischen den verfeindeten Parteien: damit er sie umso besser wahrnehmen kann. Zu genau weiß Fischer, dass ein Berliner Außenminister, der plötzlich außerhalb der gewohnten deutschen Interessenssphäre zu agieren beginnt, mit Vorbehalten zu rechnen hat.

Zurückhaltung ist Stärke, lautet deshalb Fischers Maxime. Doch nun macht ihm der eigene Erfolg einen Strich durch die Rechnung. Nachdem er Jassir Arafat die Zustimmung zu neuerlichen Verhandlungen mit Israel abgerungen hat und Ariel Scharon die deutsche Pendeldiplomatie ausdrücklich begrüßt hat, wirkt Fischers kalkulierte Demut fast schon kokett.

Dass ein deutscher Außenminister unversehens in die Vermittlerrolle im Nahost-Konflikt gelangt, ist eine Überraschung. Sie lässt sich erklären. In Joschka Fischers an Kontinuitäten eher armen Biografie bilden die Auseinandersetzung mit dem Holocaust und die Sympathie für den Staat Israel eine der wenigen ungebrochenen Linien. Das hat ihm das Vertrauen der Israelis eingetragen. Auf der anderen Seite machen ihn seine linke Vergangenheit, die propalästinensische Tradition seiner Partei und langjährige Kontakte auch für Jassir Arafat zum willkommenen Verhandlungspartner.

Das und sein unzweifelhaftes Verhandlungsgeschick haben Fischer in eine Schlüsselrolle gebracht. Mit jedem seiner Statements kämpft er tapfer gegen die Last der Erwartungen. Los wird er sie nicht mehr. Allen Dementis zum Trotz. eis