Schon wieder ein Schröder-Foto. Morgen das nächste. Übermorgen auch. Das Kanzler-Gesicht: Jedes Mal eine einzige blühende Landschaft. Und immer umlagert von einem Medientross. Eine große Show und eine virtuelle Welt, kann man meinen, und so ist die Sommerreise verständlicherweise auch ironisiert worden. Allerdings: Für das Produkt, das der Reisende anbietet, gibt es Nachfrage. Die Bilder werden gewünscht und gedruckt. Das Interesse ist beiderseitig. Und was die "Inszenierung" oder das "Sommertheater" angeht, was es ja ist, muss man auch einen Nachsatz hinzufügen. Über das deutschtschechische Verhältnis beispielsweise wird noch seltener berichtet als über die Beziehungen zu Polen

doch plötzlich dürfen die Korrespondenten ausbreiten, was sie von der Berliner Haltung zum Atomreaktor Temeløn oder vom Stand der EU-Beitrittsverhandlungen denken. Das ist die andere Seite der Inszenierung. Schröder ist im Übrigen keineswegs ihr Erfinder. Am Anfang stand Helmut Kohl. Er reiste nicht, er empfing. Die Sommerinterviews fanden in der Idylle des Wolfgangsees statt. Es folgten die Sommergespräche mit den anderen Parteivorsitzenden, wie es der Langeweileproporz verlangt. Heute tourt, ganz konsequent, nicht nur der Kanzler durch Nordböhmen, Glashütte, Plauen oder Cheb (Eger), auch Angela Merkel zieht auf Schröder-Art durchs Land. Dass sie als Kanzlerkandidatin antreten will, davon sind die mitreisenden Journalisten nach dieser Exkursion völlig überzeugt. Selbst wenn es für sie nicht so war, darauf ist sie nun festgelegt. Die Ereignisse sind virtuell, aber sie schaffen Fakten. Gunter Hofmann