Der dänische Arbeitsminister Ove Hygum verbreitet gern gute Laune. So auch in der vergangenen Woche bei einem Treffen der Frauengewerkschaft KAD in Odense: "Vor acht oder zehn Jahren hat doch keiner geglaubt, dass wir die Arbeitslosigkeit von zwölf auf fünf Prozent absenken könnten. Viele hatten sich doch an den Gedanken ewiger Massenarbeitslosigkeit gewöhnt." Jeder im Saale konnte in Gedanken fortsetzen: "Aber dann kamen glücklicherweise wir Sozialdemokraten an die Regierung." Aber da jeder sich dieses denken konnte, brauchte Hygum es nicht selbst zu sagen und konnte hinzufügen: "Wir machten nicht einfach weiter wie früher. Wir haben neue Anforderungen gestellt und neue Möglichkeiten eröffnet, und damit sind wir weit gekommen."

Nach ihrem Regierungsantritt 1993 beließen die Sozialdemokraten und die mit ihnen koalierenden Radikaldemokraten zwar das Arbeitslosengeld auf großzügigem Niveau (bis zu 95 Prozent des letzten Gehaltes). Auf der anderen Seite ließen sie sich aber einiges einfallen, um die Arbeitslosen auf Trab zu bringen. Beispielsweise wurden Zumutbarkeitsregeln drastisch verschärft, aber auch neue Ausbildungs- und Umschulungsmöglichkeiten eröffnet. Dank guter Konjunkturentwicklung erwies sich dieser Kurs als recht erfolgreich - besonders bei den jungen Arbeitslosen.

Im April 1996 startete auf den dänischen Arbeitsämtern der so genannte Jugendeinsatz. Von nun an mussten die Sachbearbeiter den Arbeitslosen unter 25 Jahren mitteilen, dass sie nur noch maximal ein halbes Jahr Arbeitslosengeld passiv einstreichen könnten. Danach müssten sie entweder eine Berufsausbildung beginnen, eine Schule besuchen oder eine "Aktivierungsstelle" antreten.

Offensichtlich hatten viele Jugendliche keine Lust auf Schule oder "Aktivierung". Sie suchten sich selbst eine Arbeit.

Doch auch zwei Drittel der Arbeitslosen, die mit Hilfe öffentlich bezuschusster Jobs in Privatunternehmen "aktiviert" wurden, bekamen hinterher eine feste Stelle

entweder in ihrem Betrieb oder in einem anderen der Branche.

Mit einiger Sorge registrierten Politiker und Experten allerdings, dass die Quoten bei Kindern aus Einwandererfamilien erheblich niedriger liegen. Peter Kay Mortensen, der Vorsitzende des Arbeitsmarktrates in Groß-Kopenhagen, erläuterte: "Jugendliche aus Einwandererkreisen heiraten früher und bekommen Kinder. Eine eigene Wohnung steht auf deren Wunschliste weiter oben als eine Ausbildung. Deshalb kommen viele Neudänen" - wie die Einwanderer genannt werden - "finanziell nicht über die Runden, wenn sie von der staatlichen Studienunterstützung leben müssen." Viele Jugendliche aus Immigrantenfamilien pendeln zwischen angefangenen Ausbildungsgängen, kurzfristigen Jobs und Arbeitslosigkeit. Immerhin scheint auch bei ihnen das Interesse an einer Ausbildung erheblich höher zu sein als noch vor vier Jahren.