Die Globalisierung hat die Berufschancen für Sprachprofis deutlich verbessert. Durch die Internationalisierung der Märkte herrscht in der Wirtschaft steigender Bedarf an Übersetzern und Dolmetschern. Allerdings leistet sich kaum noch eine Firma einen eigenen Sprachendienst. Outsourcing ist auch im Bereich Übersetzung die Regel, so dass überwiegend Stellen für Freie geschaffen werden. So hat sich denn laut Freigang auch die Zahl freier Übersetzer und Dolmetscher in den letzten Jahren stark erhöht. Da die Berufsbezeichnung Übersetzer und Dolmetscher nicht geschützt ist, sich also jeder Übersetzer/Dolmetscher nennen darf, der sich dafür hält, haben es die Studierten allerdings nicht immer einfach, sich gegen die Autodidakten und deren Dumpingpreise durchzusetzen.

Das Internet ist als Arbeitsplatzbeschaffer in dieser Branche von besonderer Bedeutung. Kaum eine Firma verzichtet noch darauf, sich im globalen Dorf darzustellen, und immer mehr stellen sich auch mehrsprachig vor. Der Bedarf an Übersetzungen von Homepages, überwiegend natürlich ins Englische, ist enorm gestiegen. In einem Report der Analyst and Consulting Company Ovum in Großbritannien aus dem Jahre 1997 wurde eine Steigerung des Lokalisierungsmarktes von 396 Millionen US-Dollar im Jahre 1994 auf 2,3 Milliarden Dollar im Jahre 2000 errechnet. Unter Lokalisierung ist die Umsetzung von Software und Webseiten in andere Sprachen und ihre Anpassung an die verschiedenen kulturellen Eigenheiten zu verstehen. So werden zum Beispiel Symbole, Bilder und Farben in verschiedenen Ländern ganz unterschiedlich eingesetzt. Die kulturelle Anpassung übernehmen die ausgebildeten Übersetzer gleich mit. Ein Löwenanteil der Lokalisierungsaufträge betrifft zwar die Ausgangssprache Englisch, doch die anderen Sprachen holen auf. Zudem nimmt Deutsch als Zielsprache mit 12 Prozent den zweiten Platz ein. Nur ins Japanische wird häufiger übersetzt. Der Anteil dieser Zielsprache liegt bei 31 Prozent.

Auf den Boom in der Lokalisierungsbranche, die auch schon einige Unternehmensgründungen nach sich gezogen hat, werden die Hochschulabgänger vorbereitet, sagt Freigang. Nachdem an der Uni in Saarbrücken von 1988 bis 1993 ein Modellprojekt lief, mit dem Ziel, Computer und Internet in die Ausbildung zu integrieren, hat das Modell Schule gemacht. Mittlerweile decken fast alle Ausbildungsinstitutionen den EDV-Bereich in mehr oder weniger starkem Maße ab. Dolmetscher finden in der Lokalisierungsbranche naturgemäß weniger zu tun, doch hat sich auch für die Simultanübersetzer die Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Ohnehin kommt beispielsweise bei den Saarbrücker Absolventen des Studiengangs Übersetzen und Dolmetschen auf vier Übersetzer nur ein Dolmetscher.

Ein weiterer Trend, der sich bei den Sprachprofis ausmachen lässt, ist der der Spezialisierung. Neue Studiengänge werden geschaffen, wie zum Beispiel Literaturübersetzung an der Uni Düsseldorf und Gebärdendolmetschen an der Uni Hamburg, der FH Zwickau und als berufsbegleitende, 20-monatige Weiterbildung an der FH Frankfurt/M. Der Studiengang Behörden-, Gerichts-, Krankenhaus-Dolmetscher wurde an der FH Magdeburg eingerichtet, und an der Uni Hildesheim lässt sich Internationale Fachkommunikation studieren.

Vom Wintersemester 2002/03 an wird dort ein Masterstudiengang "Internationale Fachkommunikation ¯ Sprache und Technik" eingeführt. Auch wenn sie keine neuen Studiengänge schaffen, so hat doch jede Hochschule einen eigenen Schwerpunkt entwickelt. An der Uni Saarland ist der Bereich Computer besonders stark ausgebaut worden, die Uni Heidelberg legt das Gewicht auf den philologisch-wissenschaftlichen Bereich, und an der Uni Leipzig haben östliche Sprachen besondere Bedeutung.

Spezialisierungen werden auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich oft nachgefragt. Ein Ergänzungsfach für angehende Übersetzer/Dolmetscher ist denn auch die Regel. In diesem Fach lernen die Studenten die Grundlagen einer Wissenschaft, sei es Schiffsbau oder Medizin, um die Denkweise dieser Disziplin kennen zu lernen. Nicht umsonst gibt es auch Quereinsteiger in der Branche. Ingenieure oder andere Fachspezialisten, die einige Jahre im Ausland gearbeitet haben, entdecken mitunter ihr Interesse für Sprachen und arbeiten nach ihrer Rückkehr nach Deutschland als Übersetzer. Dass Quereinsteiger besonders gute Chancen haben, lässt sich allerdings nicht sagen, meint Freigang. Zumal gerade für Ingenieure die relativ kargen Gehälter der Sprachprofis doch eher unattraktiv sind.

Um auf dem Laufenden zu bleiben oder auch um sich auf einen bestimmten Bereich zu spezialisieren, gibt es Fortbildungen. An der FH Magdeburg zum Beispiel werden Dolmetscher und Übersetzer auf eine Laufbahn vor Gericht vorbereitet. An der Uni des Saarlandes gibt es Kurse zum Thema "Rechnergestützte Terminologiearbeit und maschinengestützte Übersetzung". Die nächste Veranstaltung läuft vom 17. bis 21. September sowie vom 24. bis 28. September. Fortbildungen und finanzielle Förderung bietet das Europäische Übersetzer-Kollegium Nordrhein-Westfalen in Straelen. Der BDÜ, der Berufsverband der Dolmetscher und Übersetzer, hat ebenfalls Lehrgänge im Angebot, darunter die aktive Kundenbindung, Existenzgründung, Qualitätssicherung und mehr. Auf der BDÜ-Homepage ist überdies eine Liste von nationalen und internationalen Hochschulen mit einschlägigen Studiengängen zu finden. Interessante Links hat auch die Uni Saarland gesammelt, darunter Links zu Newsgroups und Mailinglisten, zu Patentwesen, Zeitschriften, Verbänden sowie zu Sprachenindustrie und Softwarelokalisierung.