Nur "Bild" und "Handelsblatt" fallen heute genrebedingt aus dem Rahmen. Das Boulevardblatt freut sich (zumindest in der hier betrachteten Hamburger Ausgabe) über die Festnahme eines Serienvergewaltigers ("Bitte lasst ihn nie mehr laufen") und macht sich angesichts des "5000 mal 5000"-Modells bei Volkswagen Gedanken: "Kommt jetzt 2-Klassen-Lohn für alle?". Die Düsseldorfer Wirtschaftsexperten titeln zum geplanten Kapitalmarktkodex: "Börse will Anleger schützen". Zumindest für den Neuen Markt soll das neue Regelwerk verpflichtend sein.

"Zustimmung trotz Skepsis"

"Welt"-Chefredakteur Wolfram Weimer demonstriert in seinem Kommentar zum gestrigen Bundestags-Entscheid in Sachen Mazedonien-Einsatz die wiedergefundene Linie vieler Springer-Blätter - Agitprop statt differenzierter Meinung ("Kein Maulkorbzwang mehr für Kampfhunde", lautet passenderweise die Überschrift neben dem Kommentar): "Schröder stand gestern in einer zentralen außenpolitischen Entscheidung ohne eigene Mehrheit vor dem Parlament, was einem machtpolitischen Offenbarungseid gleichkommt." Mitnichten, Herr Weimer. Wenn es in einer solchen Frage gelingt, eine Mehrheit über die Grenzen der Fraktionen hinweg zu gewinnen, ist es machtpolitisch nur klug, nicht auf dem Fraktionszwang zu bestehen. Das betont auch Christoph von Marschall im Berliner "Tagesspiegel": "Gerhard Schröder war klug genug, den Sieg über die Union nicht auszukosten - und die Abweichler in den rot-grünen Reihen laufen zu lassen; in 30 Tagen sieht man sich vermutlich wieder, wenn eine Verlängerung des Mandats nötig wird."

Überhaupt ist es doch eher erfreulich, wenn ein demokratischer Staat in Fragen militärischer Einsätze nicht so eine waffenklirrende Entschlossenheit zeigt, wie man sie von autoritären Regimen kennt. "Zustimmung trotz Skepsis: Das ist, unter dem Strich, gar keine schlechte Mischung", meint dazu die "Frankfurter Rundschau". Sie bemängelt jedoch die Unwilligkeit der Parlamentarier, sich frühzeitig mit außenpolitischen Problemen zu beschäftigen: "Erst, wenn ein Votum gefragt ist, beginnen die meisten Abgeordneten, über Außenpolitik nachzudenken."

Der eigentliche Verlierer der Abstimmung ist, zumindest nach Ansicht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die Union, "weil sie aus der inhaltlichen Auseinandersetzung über die Verteidigungs- und Bündnispolitik der Regierung auch eine Machtprobe machen wollte, für die sie nicht ausreichend gerüstet hatte." Nur mit völliger Geschlossenheit und im Schulterschluss mit der FDP hätte sie den Bundeskanzler in Bedrängnis bringen können. "Doch auch nach den ersten Alarmzeichen trieb das Unionsschiff weiter führungslos auf Schröders Riff zu. Aus Angst vor ihm gingen die Steuerleute von CDU und CSU doch noch auf Parallelkurs zur Regierung."

Pfui, Mr. Howard!

"Was wäre gesagt worden, wenn das norwegische Containerschiff Tampa den alten Kahn mit 438 Schiffbrüchigen vor der indonesischen Küste einfach hätte absaufen lassen?", fragt die "Süddeutsche Zeitung". "Mit der Begründung, man werde ja die Leute doch nicht mehr los. Abgrundtiefe Empörung über solche Unmenschlichkeit wäre die Folge gewesen. Aber die Australier tun im Grunde genau das. Sie verweigern einem in Not geratenen Schiff mit seiner menschlichen Fracht die Hilfeleistung."