Hierzulande ziert ein Porträt mit ähnlichem Sexappeal die Wirtschafts- und Titelseiten der Zeitungen: das des Euro. Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag erstmals das schöne neue Geld im Original mit den bislang unbekannten Sicherheitsmerkmalen präsentiert. Die EZB macht gleich ein zweites Mal Schlagzeilen. Sie senkt den Leitzins um 0,25 Punkte auf 4,25 Prozent.

Die entgegengesetzte Bewegung ist unter Umständen in der Krankenversicherung zu erwarten. "Kassen in Not – steigen die Beiträge?" titelt der "Tagesspiegel", nachdem Ulla Schmidt gestern ein Defizit der Kassen von etwa fünf Milliarden Mark im ersten Halbjahr einräumte. So findet sich denn nicht der Patient Gesundheitswesen, sondern die Gesundheitsministerin selber im Aufmacher der "Frankfurter Rundschau" wieder: "Ulla Schmidt weiß kein Rezept". Die "Süddeutsche Zeitung" will den Verbleib der 100.000-Mark-Spende des Waffenhändlers Schreiber geklärt haben: "Kiep als Geldwäscher der CDU enttarnt" schreibt das Blatt auf der ersten Seite. Mit der Weltkonferenz gegen Rassismus im südafrikanischen Durban beschäftigt sich die "tageszeitung": "Die verdrängte Erbschaft" heißt es im Titel. Und Fernsehmoderator Ingo Dubinski wird samstagabends wohl nicht wie geplant vom Bildschirm lächeln und die neue Fernsehlotterie "Das Lied zum Glück" präsentieren. Die Berliner Gauck-Behörde bestätigte, dass der TV-Star jahrelanger Mitarbeiter der Stasi war. Die "Bild" gibt sich entsetzt: "Stasi – Dubinski, auch du!"

Patient Gesundheitswesen

Die medizinische Versorgung in Deutschland weist erhebliche Mängel auf, befand der Sachverständigenrat in Berlin. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt erklärte, sie wolle nicht kurzfristig mehr Steuergelder in das Gesundheitswesen leiten, sondern langfristig gegensteuern. Für wenig sinnvoll hält es die "Süddeutsche Zeitung", sich Zeit zu lassen. "Mindestens fünf Milliarden beträgt das Defizit der gesetzlichen Kassen, und auch die Ministerin kann nicht auf den Grund des Schuldenloches blicken." Seit sie das Arzneimittelbudget gestrichen habe, explodierten die Kosten, was nicht nur mit der Verschreibung innovativer, teurer Produkte zu tun haben könne, so Heidrun Graupner. "Die Ministerin hat versäumt, ein neues und feineres Steuerungsinstrument statt des Budgets einzuführen, eines, das weder Rationierung von Therapien noch Verschwendung erlaubt, etwa Richtwerte für einzelne Arztpraxen."

Die Aufhebung der Arzneimittel-Budgets ohne gleichzeitige Ersatzlösung sei ein Friedensangebot an die deutschen Ärzte gewesen, das die Kassen jetzt teuer zu stehen komme, schreibt der "Tagesspiegel". Um jedoch eine gute Versorgung der Patienten zu bezahlbaren Preisen zu erreichen, müsse sie die Strukturen knacken. "Von mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen reden Gesundheitspolitiker gern. Doch an die Kartelle der Anbieter wagt sich niemand so recht heran. Ulla Schmidt könnte ja zumindest mal damit drohen", lautet der Vorschlagt von Carsten Germis. Das würde die Runden am runden Tisch bestimmt etwas lebhafter machen, meint der Autor.

Harald Klimenta warnt in der "tageszeitung" davor, durch ständige Krisenmeldungen aus den Gesetzlichen Krankenversicherungen und "allen anderen Sozialsystemen" eine Stimmung entstehen zu lassen, die eine Privatisierung und Deregulierung dieser Systeme gutheißen und letztlich die "neoliberale Sparwut" forcieren würde. Ausführlich analysiert der Autor und Publizist die Kostenentwicklungen der letzten vierzig Jahre und kommt zu dem Schluss, dass der Anstieg ganz normal "in Höhe der Zunahme der realen Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft" liege. Kostenprobleme würden maßgeblich dadurch verursacht, "dass sich wohlhabende Schichten aus der Finanzierung dieser Systeme zurückziehen – und keinesfalls durch irgendwelche ‚Kostenexplosionen’".

Antirassismuskonferenz in Durban