Wann hat sich je eine parlamentarische Opposition derart blamiert wie die CDU? Die Geschichte bietet kein Beispiel für diesen Mix aus Führungsschwäche und Selbstblockade. Kraftlos hat man in den Jahren in der Wüste auch die heute Regierenden gesehen. Ratlos erschien RotGrün auch noch im Amtsjahr 98/99. Doch so desorientiert und ziellos hat man die Führung einer großen Volkspartei noch nicht erlebt wie soeben im Berliner Mazedonien-Streit.

Das Hin und Her von Merkel, Merz und Rühe zwischen Nein, Jein und Ja (jeweils, frei nach Merz, "guten Gewissens und schweren Herzens") war keine politische Selbstfindung, sondern schiere Schwäche. Nur Schäuble und Lamers bewiesen Standfestigkeit und bekamen am Ende Recht. Populärer machte sie das im Chaos-Club der Nein-, Jein- und Jasager nicht. Der Einfalt ist Nachdenklichkeit allemal suspekt.

Die CDU ohne Kompass: Nicht nur Mazedonien macht das deutlich. Mindestens so opportunistisch ist die Haltung beider C-Parteien im Zuwanderungsstreit. So sehr kann Otto Schily (SPD) sich gar nicht verbiegen, dass die Union trotz aller inhaltlicher Nähe am Ende nicht doch Nein sagt. Hier läge die Chance, aus der Opposition heraus konstruktiv zu wirken, sich in der Sache durchzusetzen. Doch der schnelle Erfolg mit schroffem Nein ist eine zu große Versuchung. Hier kocht der hessische Scharfmacher.

Spott für "Wir-Gesellschaft"

Schließlich das interne Gerangel um die "Neue" - Pardon - "neue Soziale Markwirtschaft": Es endete zwar in Übereinstimmung, doch mit deutlichem Ansehensverlust für die Parteichefin. Sie hat nicht nur das große N eingebüßt. Insgesamt erntete ihr erster Versuch, eine eigene programmatische Handschrift ("Wir-Gesellschaft") zu entwickeln, den Spott jener, für die weiterhin gilt: Opposition macht man nicht mit kleinen Unterschieden, sondern mit großer Ablehnung. Wer da nicht mitspielt, hat nichts zu lachen im christdemokratischen Führungsmilieu.

Frau Merkel hat schon Recht mit ihrem Versuch, das Heil in einer Programmdebatte zu suchen. Eine Strategie Marke "Freiheit oder Sozialismus" verspricht gegen Schröders relativ anspruchslosen Mitte-Kurs keinen Erfolg. Die Schwachstelle der Regierung liegt anderswo. Auch auf dem Arbeitsmarkt, aber nicht zuletzt auf den Feldern der "weichen" Themen wie Bildung, Familie, Gesundheit, da, wo die coolen SPD-Modernisierer ihren blinden Fleck haben. Die "Wir-Gesellschaft", ernst genommen und inhaltlich weiterentwickelt, könnte der Opposition durchaus politisch auf die Sprünge helfen. Das müsste die CDU-Führung aber entschieden wollen. Und mit Energie durchsetzen.

Stattdessen steht sie immer noch wie gelähmt vor dem Scherbenhaufen, den der ewige Kohl ihr angerichtet hat, unfähig, sich aus seiner Hinterlassenschaft zu befreien. Neue Herausforderungen? Die CDU schlägt lieber Kohls alte Schlachten gegen "die Sozen". Das aber kann Koch besser als Merkel, die desperate Verwalterin des Übergangs. Warum macht sie ihm nicht gleich Platz?