Man hat es nicht leicht als Chef, der noch nicht Chef sein darf. Josef Ackermann weiß davon ein Lied zu singen. Der designierte Vorstandssprecher der Deutschen Bank gilt intern als starker Mann des Geldhauses; nach außen aber soll der Schweizer schweigen. Interviews oder Statements? Fehlanzeige. "Ackermann weiß genau, dass jedes Wort, jeder Satz von ihm dreimal umgedreht würde, um zu prüfen, ob er auch auf einer Linie mit Rolf Breuer liegt", sagt ein Vertrauter. Breuer führt die Bank noch bis zur Hauptversammlung im Mai 2002 - so lange soll kein Fünkchen Missstimmung aufkommen.

Das Schweigegebot fällt in diesen Tagen besonders schwer. Schließlich steht Ackermann heftig in der Kritik: Erst verpfuschte die Deutsche Bank den Paketverkauf von 44 Millionen Telekom-Aktien. Dessen genauen Ablauf dokumentiert ein Schreiben an die Börsenaufsicht. Der Brief wurde dem Spiegel zugespielt, der genüsslich - und mit Seitenhieben auf Ackermann - daraus zitierte. Seither fragen sich Beobachter in Frankfurt, wer ein Interesse daran haben könnte, den künftigen Mann an der Spitze schon vor Amtsantritt zu beschädigen. Hinzu kommt die Rolle Ackermanns im Fall Mannesmann/Vodafone: Der Schweizer saß - wie Klaus Zwickel für die IG Metall - im Aufsichtsrat von Mannesmann. Und dieses Gremium genehmigte die horrend hohen Prämien für die im Übernahmekampf mit Vodafone unterlegenen Topmanager bei Mannesmann. Jetzt ermittelt der Staatsanwalt.

Noch sind die Hausjuristen der Bank zuversichtlich, dass es nicht zu einer Anklage gegen Ackermann kommt. Sieht der Staatsanwalt das anders, könnte der Schweizer kippen. "Wird gegen ihn Anklage erhoben, ist er nicht mehr tragbar", glauben bereits mehrere Vorstände.

"Panik ist inzwischen normal"

Die Vorgänge um den künftigen Chef treffen die Deutsche Bank mitten im Umbruch. Das Institut ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen. Rund die Hälfte der Mitarbeiter ist kürzer als fünf Jahre dabei. Und die Kosten explodieren: Um eine Mark einzunehmen, muss die Bank inzwischen mehr als 76 Pfennig aufwenden - zu viel im Vergleich zur internationalen Konkurrenz. Das drückt den Aktienkurs. Im Haus gehen nun die Sparkommissare ans Werk. Das wiederum sorgt unter den Mitarbeitern für Unruhe.

Zwei Männer sollen die Ausgaben in den Griff bekommen: Thomas Fischer, als Chief Operating Officer (COO) im Vorstand für die Kosten verantwortlich. Und John Ross, der seine Lorbeeren bei der Integration des amerikanischen Finanzhauses Bankers Trust erwarb. Problemfälle finden die Sparkommissare reichlich, etwa bei den Kapitalmarktforschern: Allein an vier Stellen im Konzern - Investmentbanking, Private Banking, Asset-Management und DB Research - werden Märkte und Kurse untersucht.

John Ross geht seine Aufgabe allerdings nicht immer mit Fingerspitzengefühl an. Erst vor kurzem brüskierte er die Belegschaft der konzerneigenen Dienstleistungssparte DB Services. Am 7. August fanden die Manager in ihrer Hauspost die knappe Mitteilung von Ross, für die rund 3500 Beschäftigten in Deutschland werde ab sofort jegliche Weiterbildung gestrichen. Kurz darauf kursierte eine interne E-Mail, man möge ebendieses Schreiben bitte wieder vergessen. Der geplante Fortbildungsstopp sei nicht mit den zuständigen Vorstandsmitgliedern abgestimmt gewesen. Seitdem herrscht Funkstille. "Man kommt sich vor, als ob hier hausinterne Politikspielchen getrieben werden", vermutet ein Deutschbanker, "John Ross muss sich wohl profilieren."