Es ist, als hätte Peter Burghardt diesen Moment schon einmal erlebt: Im Garten des Botschafters lässt die Sonne Stühle und Tische leuchten. Palmen spiegeln sich im Wasser des Swimmingpools. Mitten in Mexiko-Stadt liegt diese Oase. Burghardt spricht mit dem Medienbeauftragten der deutschen Botschaft und denkt daran, dass er hier schon einmal saß. Vier Jahre zuvor, damals noch als Stipendiat der IJP, der Internationalen Journalistenprogramme. Heute ist der 35-Jährige Spanien- und Mittelamerika-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung.

Burghardt kam 1997 mit dem deutsch-lateinamerikanischen Austauschprogramm für gut zwei Monate nach Mexiko. Er ist einer von bislang 600 Stipendiaten, die mit Unterstützung der IJP in den USA, Großbritannien, den Niederlanden, in Lateinamerika, Südostasien, Nord- und Osteuropa gearbeitet haben. Seit 20 Jahren gibt es jetzt den Verein. Er hat sich inzwischen zu einer der größten internationalen Austauschorganisationen für junge Journalisten entwickelt.

Als Initiative Jugendpresse hat 1981 Frank-Dieter Freiling mit einigen Freunden die IJP gegründet. Sie wollten die Interessen journalistisch aktiver Schüler bündeln. Zunächst organisierten sie Seminare, Presse- und Recherchereisen. Bald erhielten sie Unterstützung aus Medien, Politik und Wirtschaft. Mit dieser Hilfe riefen sie den ersten Journalistenaustausch ins Leben, das Arthur F. Burns-Fellowship, benannt nach dem 1987 gestorbenen US-Botschafter in Deutschland

Inzwischen konzentriert sich die Arbeit der Organisatoren auf Austauschprogramme in die unterschiedlichsten Regionen der Welt. Nationale und internationale Stiftungen, das Bundespresseamt und verschiedene Unternehmen finanzieren die Programme. Gefördert werden Journalisten aller Medien bis zu einem Alter von 35 Jahren. Deutsche sollen im Ausland arbeiten, im Gegenzug bekommen Journalisten aus den jeweiligen Partnerregionen die Möglichkeit, Deutschland kennen zu lernen. Der Ablauf ist bei allen Programmen ähnlich: Mindestens zwei Monate verbringen die Stipendiaten als Gastredakteure bei einem ausländischen Medium, sei es beim Wallstreet Journal in New York, bei BBC in London, TV Globo in Rio oder der Nation in Bangkok. Dort sollen sie Politik, Wirtschaft, Kultur und Lebensweise ihrer Gastgeber kennen lernen. Und ihre Erfahrungen umsetzen: indem sie bei ihrem Gastmedium mitarbeiten und indem sie als Korrespondent auf Zeit für ihr Blatt oder ihren Sender zu Hause berichten.

Manche Stipendiaten sind so stark integriert, dass sie als vollwertige Mitarbeiter in die Alltagsplanung ihrer Gastredaktion eingebunden werden und für Berichte nach Deutschland kaum Zeit bleibt. Andere ziehen es vor, überwiegend für Deutschland zu schreiben. Dabei können sie auf die gesamte Infrastruktur der Gastgeber zurückgreifen, auf Arbeitsplatz, Archiv und Kontakte.

Keimzelle für Karrieren

Peter Burghardt schrieb aus Mexiko vor allem für die Süddeutsche Zeitung. Davor hatte er sich als Korrespondent schon einmal profilieren können: Als sich der damalige Sportredakteur für einen Auslandsaufenthalt bewarb, sprach er beim Chefredakteur vor, der unterstützte ihn. Und merkte sich das Auslandsinteresse von Burghardt. Am Tag als er von der IJP die Zusage erhielt, rief die SZ bei ihm zu Hause an und fragte ihn, ob er nach Peru fliegen könne, um über die Geiselnahme in der japanischen Botschaft zu berichten. Die Korrespondentin sei verhindert. Drei Stunden später saß Burghardt im Flugzeug nach Lima.