Rebscher: Guten Morgen Herr Remme.

Remme: Herr Rebscher, ist die Kostenentwicklung außer Kontrolle?

Rebscher: Man muss glaube ich sehr genau gucken, woher kommen die Probleme. Die Probleme kommen zum einen daraus, dass wir im System natürlich Steuerungsmängel haben. Darüber reden wir seit Jahren und dort brauchen wir auch eine Reform. Aber wir haben auch ganz konkret zuzuordnende Belastungen, die durch die Politik selbst verursacht werden. Seit zehn Jahren werden uns rund 50 Milliarden aus dem System genommen zur Sanierung öffentlicher Etats anderer Sozialversicherungsbudgets, für die die Politik Beitragsverantwortung hat. Das ist schon ein Stück ein ganz unehrliches Spiel, was hier getrieben wird, dass man eine Kostenentwicklung beklagt, aber gleichzeitig dem System immer mehr Geld herausnimmt. Dort bräuchten wir mal einen kritischen öffentlichen Dialog.

Remme: Herr Rebscher, ich hatte Sie aber nach einer Beurteilung der Kostenentwicklung gefragt. Ist diese außer Kontrolle oder ist das alles noch normal?

Rebscher: Was heißt normal? In diesem Jahr nimmt uns die Politik wieder mehrere Milliarden. Dann kann man bei fünf Milliarden, die ich ganz genau zuordnen kann, nicht sagen, es sei etwas außer Kontrolle. Die Politik selbst nimmt uns das Geld heraus. Wir finanzieren in diesem Jahr die Steuerreform, die verkauft wird, als dass die Bürger dann weniger Steuern zahlen, aber niemand sagt, dass wir rund eine Milliarde Mark dadurch mehr Belastung in der Krankenversicherung haben, die natürlich bei gleicher Erkrankungshäufigkeit dann neu beitragssatzbelastend wirkt. Wir finanzieren einen Teil der Rentenreform über die Krankenversicherung. Wir haben ein neues Gesetz zur Rehabilitation, was 500 Millionen kostet. Und wir haben einen Gesetzentwurf, der ankündigt, dass Ärzte keine Arzneimittelbudgetobergrenze mehr haben, was dazu geführt hat, dass die Arzneimittelausgaben tatsächlich außer Kontrolle sind, nämlich mit 12, 14, 15 Prozent je nach Kasse.

Remme: Was bedeutet denn diese Situation, Herr Rebscher, für die Beiträge der Versicherten?

Rebscher: Wir haben der Politik seit gut einem Jahr ganz offen und sehr genau gesagt, dass diese Entwicklung dazu führen wird, dass die Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung mit Beginn des nächsten Jahres im Schnitt bei rund 14 Prozent liegen werden und damit im Durchschnitt der deutschen GKV doch ein erheblicher Beitragssatzsprung von heute 13,6 auf eben 14 Prozent eintreten wird.