Müntefering: Guten Morgen Herr Meurer.

Meurer: Nun hat sich gestern ja Innenminister Otto Schily mit Peter Müller, CDU-Ministerpräsident des Saarlandes, und dem bayerischen CSU-Innenminister Günther Beckstein getroffen. Für Sie Anlass zur Hoffnung, dass die Union bei der Zuwanderung doch zustimmen könnte?

Müntefering: Ich bin immer noch zuversichtlich, weil ich glaube, dass alle demokratischen Parteien Interesse haben müssen, an dieser Stelle zu einer vernünftigen Regelung zu kommen. Wir wissen: es werden mehr Ausländer bei uns im Lande sein, mehr Deutsche werden im Ausland sein. Wir müssen für diese Frage der Zuwanderung klare Regeln haben und müssen die Zuwanderung steuern, damit sie nicht willkürlich und nicht leichtfertig stattfindet. Die Überschriften sind gesetzt. Da sind wir uns einig. Da glaube ich, dass man auch das Kleingedruckte hinbekommen kann.

Meurer: Was soll das Interesse der Opposition sein, Ihnen beim Gesetz zur Mehrheit zu verhelfen?

Müntefering: Ich unterstelle mal, dass nicht die Hauptfrage in der Politik ist, wer wem hilft, sondern dass das getan wird, was für das Land gut ist. Und für das Land ist gut, dass wir für die ökonomische Zuwanderung, also die Frage, ob Menschen zu uns kommen, die arbeiten wollen, klare Regeln haben, dass wir zunächst einmal die Arbeitsplätze, die es hier gibt, für die vorsehen, die schon im Lande sind, ganz gleich welcher Herkunft sie sind, und dass sich dort die Frage der Qualifizierung stellt.

Meurer: Wie wichtig ist Ihnen der Konsens? Sie könnten es auch alleine machen?

Müntefering: Nein, wir können es fast nicht alleine machen. Das muss man klipp und klar sehen. Alle Dinge befassen auch Länder- und Kommunalinteressen, und deshalb wird man zum guten Schluss auch im Bundesrat in Übereinstimmung sein müssen.