Die Fondsbranche expandiert. Nicht nur für Privatanleger wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten. Die Bewertungen der großen Rating-Agenturen können Entscheidungshilfen bieten - wenn man die Kriterien kennt, nach denen sie entstehen.

Standard & Poor's: Die amerikanische Rating-Gesellschaft Standard & Poor's - in Finanzkreisen unter der Abkürzung S & P bekannt - beurteilt Fonds unter qualitativen Kriterien (Fondsrating) und unter dem Aspekt der Wertentwicklung (Fondsranking). Bereits 1984 hat Standard & Poor's das erste Rating eines Geldmarktfonds erstellt. Groß eingestiegen in das europäische Geschäft ist das US-Unternehmen allerdings erst in den vergangenen Jahren, nachdem die Nachfrage nach Geldanlage in Investmentfonds und die Möglichkeiten hierzulande stark zugenommen haben.

Für ein Rating berücksichtigt Standard & Poor's nur diejenigen Fonds, die mindestens drei Jahre am Markt sind und zu den 20 Prozent der Fonds mit der besten Wertentwicklung gehören. Die Bewertungsstufen reichen von AAA für extrem gut, über AA für sehr gut bis A für gut. Die Bestnote können allerdings nur solche Fonds bekommen, deren Management über eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung verfügt. Rund 350 in Deutschland zugelassene Fonds haben Mitarbeiter von Standard & Poor's inzwischen getestet. Anhand von Interviews und statistischen Erhebungen untersuchten sie die Qualität des Fondsmanagements, die Wirtschaftlichkeit der Gesellschaft, die Art und Weise, wie Anlageentscheidungen getroffen werden, und die Wertentwicklung des Fonds zu vergleichbaren Produkten. Beim Fondsranking, einer rein quantitativen Performance-Hitliste, ist Standard & Poor's die Nummer eins in Deutschland. Das amerikanische Unternehmen hat die Wertentwicklung von mehr als 2300 Investmentfonds mit Anbietern mit denselben Anlageschwerpunkten verglichen und fünf Sterne für die vergleichsweise besten und einen Stern für die vergleichsweise schlechtesten Fonds vergeben. Im Internet unter www.standardandpoors.de finden Fondssparer die zusammengefassten Ergebnisse der Interviews mit den jeweiligen Fondsmanagern.

Feri Trust: Das von der Bad Homburger Vermögensverwaltung Feri Trust entwickelte Rankingsystem testet Fonds anhand der Kriterien Wertentwicklung und Risiko. Die Tester haben mehr als 900 Fonds untersucht und die Leistung mit Fonds verglichen, die vergleichbare Schwerpunkte bei der Anlage verfolgen. Die Ergebnisse, die ein Fonds im Vergleich zu seiner Vergleichsgruppe erzielt, unterteilt Feri Trust in folgende Qualitätsaussagen: A = sehr gut, B = gut, C = durchschnittlich, D = unterdurchschnittlich, E = schwach. Ein A- oder B-Rating zeigt an, dass ein Fonds über einen Zeitraum von fünf Jahren eine stabile, überdurchschnittliche Performance mit relativ niedrigem Risiko aufweist. Unter der Internet-Adresse www.feritrust.de finden Fondssparer Datenbankauswertungen, wie beispielsweise die Höhe der längerfristigen Wertschwankungen.

Morningstar: Der in den Vereinigten Staaten seit Jahren renommierte Anbieter von Fondsratings hat mehr als 10 000 amerikanische Investmentfonds und 8000 Aktiengesellschaften unter die Lupe genommen. Seit Jahresbeginn auch auf dem deutschen Markt tätig, hat Morningstar bisher etwas mehr als 1000 in Deutschland zugelassene Fonds quantitativ eingeordnet. Wie Standard & Poor´s und Feri Trust bietet Morningstar ein Star-Ranking an, also eine relative Bewertung der Fonds im Vergleich zu Fonds mit gleichen oder ähnlichen Anlageschwerpunkten. Die Analysten von Morningstar vergeben einen Stern für die vergleichsweise schlechtesten Fonds und bis zu fünf Sterne für Fonds mit überdurchschnittlicher Wertentwicklung bei relativ niedrigem Risiko. Morningstar arbeitet allerdings daran, mit einem analytischen Ansatz den Fondsanalysen qualitativ mehr Aussagekraft zu verleihen. Anleger können im Netz unter www.morningstarfonds.de eine umfangreiche Datenbank und eine so genannte Style Box nutzen. Mit dieser erkennen Interessenten vergleichsweise schnell, welchen Anlagestil ein Fondsmanagement verfolgt.

Auch einige kleine Ratingagenturen bieten inzwischen ihre Dienste an. Dazu gehören Südprojekt Gesellschaft für Finanzanalysen, Fondscontrol und Fonds Consult. Voraussichtlich im Herbst startet Lipper auf dem deutschen Markt. Das amerikanische Unternehmen zählt weltweit zu den größten Fondsrating-Agenuren.