Ob sie nun Welcome- oder Erlebnis-Karte heißen, in einem gleichen sich die Angebote: Sie präsentieren dem Besucher eine Stadt oder Region als touristisches Netzwerk, Preisnachlass oder freier Eintritt locken ihn vom Museum ins Theater und vom Spaßbad in den Erlebnispark. Die Strecke dazwischen sollen Kurzurlauber am besten mit Bus oder Bahn überwinden.

Auch die RuhrPottCard enthält einen Freifahrtschein für den öffentlichen Nahverkehr zwischen Bochum, Essen, Herne und Hagen. Der allerdings dürfte eher Mittel zum Zweck sein. Denn sparen kann der Reisende vor allem, wenn er mehrere große Attraktionen besucht. Ein Erwachsener zahlt zum Beispiel 42 Mark für den einmaligen Besuch der Warner Bros. Movie World in Bottrop. Die billigste Rabattkarte kostet ihn 56 Mark und ermöglicht zudem auch freien Eintritt in fünf Erlebnisbädern oder in zahlreichen Museen. So lässt sich einiges sparen. Rechnet man etwa einen Besuch in der Movie World, eine Führung auf der Zeche Zollverein Essen und einen Kurzaufenthalt in Bad und Sauna des Revierparks Nienhausen ohne Rabatt zusammen, dann hat sich die Karte bereits bezahlt gemacht: 68 Mark würden diese Freizeitvergnügen regulär kosten.

Aber auch für die Anbieter und die RTG geht die Rechnung auf. Gestartet war das Unternehmen mit der Sommerferienkarte, und die war derart erfolgreich, dass sie jetzt in eine Herbstkarte umgewandelt wurde. "Die Besucher sind begeistert, und wir sind sehr zufrieden", sagt Ingrid Weigerding von der Tourismus GmbH.

Insgesamt hat die RTG mehrere Kartenversionen auf den Markt gebracht. Während Erlebnis pur oder Industriekultur plus lediglich für 48 Stunden gelten, lässt das Herbstspecial (59 Mark) Zeit zur Muße. Es gilt an drei beliebig wählbaren Tagen und ist die schlanke Variante der RevierCard (116 Mark), die wiederum sieben Tage gültig ist.

Momentan sind es vor allem noch Einheimische, die die Angebote nutzen. Und das Potenzial ist groß. Fünf Millionen mögliche Kunden wohnen im Ruhrgebiet, schätzt die RTG. Allerdings hoffen die Marketingexperten auf Gäste aus ganz Deutschland. "Wenn mehr Besucher in den Pott kommen, nutzen auch mehr Besucher die Freizeitangebote", sagt Christiane Peters, Managerin bei Movie World. Bereits im vergangenen Jahr zählte der Tourismusverband mehr als vier Millionen Übernachtungsgäste - 80 Prozent von ihnen waren allerdings geschäftlich unterwegs. "Ein Wermutstropfen", gibt Ingrid Weigerding zu und hofft, dass manch ein Geschäftsreisender später mit Familie im Ruhrgebiet Urlaub macht - auch angelockt durch die Rabatte der RuhrPottCard.

Natürlich ist der Verbund der Karte für Anbieter wie Museen und Parks eine lohnende Werbung, tauchen sie doch auch im Reiseführer der RTG auf. Weitere Anfragen hat die Tourismus GmbH genug. Ob sie ähnlich streng auswählt wie die Kollegen in Berlin, will Ingrid Weigerding noch nicht sagen. Dort werden Attraktionen, die zu wenig Besucher angezogen haben, aus dem Programm genommen. Ein Konzept, das zu funktionieren scheint: Gerade hat man in der Hauptstadt die millionste WelcomeCard verkauft.