Lange haben sie miteinander gerungen - und am Ende beide gewonnen. Anfang dieser Woche haben sich der Volkswagen-Konzern und die IG Metall im Konflikt um das Pilotprojekt "5000 mal 5000" zum Bau eines neuen Golf-Minivans geeinigt. Vorerst 3500 neue Stellen werden in Wolfsburg geschaffen, sie sollen vor allem mit Arbeitslosen besetzt werden - ein Stück Tarifgeschichte.

Wie immer in solchen Fällen hat der Erfolg viele Väter. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte sich eingeschaltet, der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel machte als Vertreter des größten Anteilseigners Druck. Auch ohne die Politiker war der Einigungszwang enorm. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel wollte nicht als Arbeitsplatzverhinderer dastehen - er steckt ohnedies in der Bredouille, weil er als Aufsichtsrat von Mannesmann hohe Sonderzahlungen an diverse Empfänger zuließ. Und der VW-Vorstand wollte nicht seinen Ruf als Erfinder neuer Arbeitsmodelle (28-Stunden-/4-Tage-Woche, Zeitkonten) riskieren.

Nun können die VW-Manager ein neues Automodell zu wettbewerbsfähigen Preisen in Deutschland fertigen. Die IG Metall hat in der Summe die Mindestkonditionen des Flächentarifvertrags erhalten - das beruhigt die Basis im ganzen Land. Ein zusätzlicher Erfolg: VW wird nicht, wie üblich, nur junge, fertig ausgebildete Arbeitnehmer einstellen, sondern will ältere Arbeitslose bevorzugen. Dafür akzeptiert die Gewerkschaft extrem flexibilisierte Arbeitszeiten und Samstagsarbeit ohne Zuschläge. Sie stimmt außerdem zu, dass Entlohnung und Arbeitsdauer ungewöhnlich stark von Auftragslage und Leistung abhängen. Gemeinsam setzten die Tarifpartner auf Weiterbildung. Die Hälfte fällt als unbezahlte Arbeitszeit an.

Als Paket ist das VW-Projekt einmalig, die einzelnen Elemente sind es nicht. Raffiniert ausgetüftelte Arbeitszeitmodelle hatten erst jüngst BMW bewogen, ein neues Werk in Leipzig zu bauen. Sie ermöglichen längere Maschinenlaufzeiten innerhalb des bestehenden Flächentarifs und mindern die Kosten. Zuvor schon hatten etliche Metall-Mittelständler und ihre Betriebsräte in innerbetrieblichen Bündnissen für Arbeit die Tarifverträge - mit Duldung der örtlichen Gewerkschaftsfunktionäre - bis zum Äußersten gedehnt.

Die Betriebsräte spielten also nicht nur bei VW und BMW eine Schlüsselrolle als Ideengeber und Vermittler. Kaum jemand kennt Mitarbeiter und Unternehmen so gut wie sie. Nur mit ihrer Hilfe können Unternehmer und Manager die viel geforderte Flexibilität verwirklichen - und trotzdem die Motivation der Mitarbeiter erhalten. Hier hat das deutsche Konsensmodell seine Zukunft.

Die VW-Vorgabe wird nicht überall passen. Deshalb geht es jetzt darum, die neuen Ideen mit der Situation in den jeweiligen Betrieben abzustimmen. Dann steht der eigentliche Gewinner von "5000 mal 5000" fest: der Standort Deutschland.