Deswegen gehe ich am Donnerstag zur Bundesdruckerei in Berlin und nehme die Vitrinen mit, die ein Messebauer genau nach Vorgaben der Bundesbank in Frankfurt angefertigt hat - die Scheine dürfen nur hinter schlagfestem Sicherheitsglas gezeigt werden. In der Bundesdruckerei steckt man die Euros in die Vitrinen, dann kommt alles in den Tresor. Am Freitag ist dann der große Tag. Frühmorgens holt man die Scheine unter Sicherheitsbewachung ab. Es ist ja eigentlich nicht viel Geld - wir haben von jedem Schein nur zwei Exemplare, um Vorder- und Rückseite zeigen zu können. Aber der Euro hätte für Sammler noch einen hohen Seltenheitswert. Das Euro-Zelt ist auf dem Potsdamer Platz aufgebaut, und dort wird es dann einen Pressetermin geben, zu dem vielleicht auch Hans Eichel kommt. Ein richtiges Geheimnis ist das Aussehen der Euro-Scheine und -Münzen dann zwar nicht mehr, da die Europäische Zentralbank Journalisten schon am Tag davor das Geld präsentiert hat. Bei uns kann sich nun jeder das Geld ansehen. Es haben sich viele Kamerateams angemeldet, auch aus dem Ausland, zum Beispiel die BBC. Die interessiert vor allem, wie die Deutschen auf ihr neues Geld reagieren werden. Für mich ist es tatsächlich ein historischer Moment, das Geld zeigen zu können, mit dem ich mich seit vier Jahren beschäftigt habe. Bis jetzt durften wir die Scheine aus Sicherheitsgründen noch nicht mal in Originalgröße abbilden. Ich glaube, dass viele Leute erleichtert sind, wenn sie jetzt die Geldscheine mit allen Sicherheitsmerkmalen sehen: Der Euro ist da, und es ist tatsächlich echtes Geld, es sieht nicht aus wie Spielgeld! Abends werde ich wahrscheinlich weiter den Journalisten Fragen beantworten und spät ins Bett kommen.

Der Samstag wird für mich ein ganz entspannter Tag, denn der große Medienstress ist vorbei. Dafür kommen sicherlich viele Berliner, um sich über den Euro zu informieren. Bislang waren die am häufigsten im Zelt gestellten Fragen: "Wie sieht er denn aus, der Euro?" und "Passt der ins Portemonnaie?" Das kann nun jeder selbst überprüfen - wenn auch vorläufig nur, indem er die alten D-Mark-Scheine an die Vitrinen hält. Wir sind mit unserem Zelt nicht allein auf dem Potsdamer Platz, sondern es gibt auch ein Rahmenprogramm. Dazu gehören die Euro-Mäuse, Schauspielstudenten aus Potsdam im Mauskostüm, die Schokoladen-Euros verteilen. Es gibt auch noch eine Schoko-Euro-Wurfmaschine. Abends werde ich dann mit meinen Kollegen etwas trinken gehen und über den Tag reden.

Am Sonntag stehe ich von 10 bis 19 Uhr auf dem Potsdamer Platz. Abends wird das Zelt abgebaut und, ebenso wie das Geld, nach Essen transportiert. Dort ist die nächste Station der Zelt-Tour, die 66. Am Montag fahre ich auch mit dem Auto nach Essen. Abends schaue ich mir noch mal den Standort unseres Zeltes an und gehe früh ins Hotel. Am Dienstag stehe ich ausnahmsweise nur bis etwa 14 Uhr im Zelt, danach setze ich mich in den Zug und fahre wieder nach Berlin. Der Hessische Rundfunk überträgt am Abend in der ARD eine Sendung aus unserem Euro-Service-Center in Berlin-Mitte. Die Zuschauer können während der Sendung anrufen und Fragen zum Euro stellen, die wir dann live beantworten.

Am Mittwoch muss ich frühmorgens nach Essen zurück, um wieder um 10 Uhr im Zelt zu sein. Abends geht es weiter nach Bonn, der 67. Station. Das viele Herumreisen ist zwar anstrengend, und ich habe in diesem Jahr auch so gut wie kein Privatleben. Trotzdem macht mir meine Arbeit wirklich viel Spaß. Es freut mich, dass die Leute nach den ganzen Vorbehalten gegenüber der Euro-Einführung doch immer aufgeschlossener werden.