Sexhungrig" nannte ausgerechnet der stern die Serienprotagonistinnen. Als "beziehungsgestört" klassifizierte sie der Tagesspiegel. Zwei weitere Journalisten schafften es nicht, den Serientitel vollständig richtig zu schreiben - wie das Männer eben gern tun, wenn sie etwas nicht ganz ernst nehmen. Oder jemanden.

Willkommen bei Sex and the City, der TV-Serie, die Männern mehr Einblick in weibliche Denkwelten verschaffen wird, als es sämtliche Selbsthilfegruppen jemals zustande gebracht haben. SatC fußt auf der progressiven Annahme, dass Frauen, die ihren Geschlechtstrieb eigeninitiativ ausleben dürfen, nicht gleich "sexhungrig" sind. Und dass sie auch ohne Partnerschaft mit einem Mann eine gewisse Existenzberechtigung haben - ohne als "beziehungsgestört" gelten zu müssen.

Diese Freiheiten nehmen sich die Heldinnen der amerikanischen TV-Serie, die Mitte September auf ProSieben anläuft und bereits im Vorfeld das Klischee im Manne weckt. Der Plot klingt aber auch zu verführerisch: Vier weder liierte, geschweige denn verheiratete, erfolgreiche Frauen über 30 versuchen in Manhattan, mit Männern zurechtzukommen. Oder ohne. Beides schlägt regelmäßig fehl. Die Ursachen dafür ebenso regelmäßig den Männern anzuhängen, versucht Sex and the City sichzu verkneifen. Abgesehen davon ist die Serie jedoch durchaus realistisch.

Ernsthaft betrachtet darf man den Superlativen der bereits angeworfenen PR-Maschinerie erstmals seit Emergency Room wieder Glauben schenken: SatC erreicht auf dem amerikanischen Pay-TV-Kanal HBO laufend Quotenrekorde. Dass George W. Bush Präsident werden konnte, ohne die Serie zu kennen, grenzt an ein Wunder. "Er denkt also, die Taliban sind eine Rockband", schrieb die New York Times-Kolumnistin Maureen Dowd. "Damit können wir leben. Aber er hat noch nie von Sex and the City gehört?" Den Produzenten gelang ein televisionäres Überraschungsei: schöne Kleider, witzige Dialoge - und was zum Nachdenken!

Sex and the City basiert auf dem Roman der amerikanischen Journalistin Candace Bushnell, der auf Deutsch mit dem erbarmungswürdigen Titel Am Bett vorbei ist voll daneben geschlagen ist. In den Neunzigern schrieb Bushnell für den New York Observer eine regelmäßige Kolumne, in der sie das Verhalten New Yorker Großstädter in und außerhalb der Paarungszeit beobachtete. Die Kolumne wurde ein Erfolg, bald darauf ein Buch und mittlerweile eine TV-Serie, die in den USA bereits in die vierte Saison geht.

Während das Buch eine Kolumnensammlung mit entsprechend vielen unterschiedlichen Figuren ist, wurden für die Serie vier feste Hauptcharaktere eingeführt, die das Spektrum einschlägiger weiblicher Lebensstile abdecken sollen: Carrie, die Sexkolumnistin, wird ihren Grundsätzen (kein Sex beim ersten Date) nur dann untreu, wenn es atemberaubende französische Architekten auf der Durchreise erfordern. Samantha besitzt eine PR-Agentur und genießt ein schon männlich anmutendes, weil abwechslungsreiches Sexualleben. Charlotte, Kunsthändlerin, will durch penible Befolgung kruden Regelwerks (Sex allerfrühestens bei der dritten Verabredung) endlich geheiratet werden. Und Miranda ist erfolgreiche Anwältin, die wiederholt versucht, sich - obwohl feministisch orientiert - den Vorlieben und Lebensumständen infrage kommender Partner anzupassen, was für gewöhnlich den Beziehungsversuch beendet.

Womit Sex and the City perfekt alle Voraussetzungen erfüllt, um als "Weiberkram" abgetan zu werden. Ab in die Schublade zu Ally McBeal also, jener Serie, die seit ihrem Bestehen von der Frauenwelt fallweise als Messlatte für neue Bekanntschaften verwendet wird: Gefällt ihm Ally McBeal? Dann hat er Potenzial.