Nein, das Problem liegt zwar in der Nähe, aber woanders: Für einen etwas wichtigeren Politiker, also für einen per Definition in seiner Macht bedrohten Menschen, gibt es gar keinen Unterschied zwischen Nicht-Urlaub und Urlaub. Ein Urlaub ist nur die Fortsetzung der Politik unter Beimengung anderer Mittel, um Clausewitz zu zitieren. So wie Scharping ja seine Plantsch-Photos aus politischen und nicht etwa aus privaten Gründen veranlasst hatte. Nur dass es die falschen Mittel zum falschen Zweck waren. Denn der Nachweis, dass er nicht nur ein politisch fixierter Mensch sei, konnte beim besten Willen nicht gelingen – weil die Behauptung falsch ist. Scharping ist ein rettungslos auf die Politik fixierter Mensch.

Und das ist das Problem: Dass unser politischer Betrieb eigentlich nur noch mit Menschen funktioniert, die sich auf diesen Betrieb fixieren lassen. Irgendwelche familiären soap operas, die Politiker von sich und durch sich selbst inszenieren lassen, sind zutiefst unglaubwürdig, weil jeder weiß (oder wissen könnte), dass für solchen Abstand von den Überlebens- und Selbstdarstellungs-Kämpfen der Politik weder die Zeit noch die emotionale Ruhe bleibt. (Und wo ein solches Familienleben glaubwürdig ist, neigt man nicht dazu, es öffentlich preiszugeben – das nämlich wäre eine contradicitio in adiecto, ein Widerspruch in sich selbst.)

Habe ich Unrecht? Dann lasse ich mich gerne widerlegen! Aber wie anders könnte Scharping meine Behauptung widerlegen, er und viele andere seien hoffnungslos auf den politischen Betrieb fixiert? Durch einen Abschied von der Politik! Den aber will er ja gerade nicht nehmen, sondern mit der aufreizenden Exposition seines Privatlebens nur weiter hinausschieben. Quod erat demonstrandum…

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